OÖ. Heimatblätter 1999, 53. Jahrgang, Heft 1/2

nenden und wirkenden Gesellpriester Paulus Treppa: „Dieser tut alles gegen meine Bemühungen. Er wiegelt die Leute gegen mich auf, daß ich in und außer der Kirche meines Lebens nicht mehr sicher bin."^^ Als Nachfolger von Paulus Treppa wirkten in St. Oswald die Prädikanten Johann Abel, Iderr Konrad und Leonhard Fuessenegger. In dieser Zeit wurde an der Nordseite der Sakristei im Jahr 1608 eine Tür ausgebrochen und ein Renaissance-Granittürgericht eingesetzt. Am Türsturz ist die Jahreszahl 1608 zu sehen. Bei der Kirchenerweiterung von 1909/10 wurde dieses Tür gericht in den neugotischen Vorbau eingesetzt. Die Rebellion der oberösterreichischen Stände und Uire Folgen Bereits 1608 schlössen sich die weltlichen Stände des Landes ob der Enns dem Horner Bund gegen ihren Landesfürsten Kaiser Matthias an. Am 5. Juni 1619 wurde die kaiserliche Residenzstadt Wien mit 10.000 Mann belagert. 16 protestantische Ständeherren drangen in die Hofburg ein und wollten den Kaiser erpressen.'® Am 16. August 1619 erklärten die böhmischen Aufständi schen ihren Landesherrn König Ferdinand II. für abgesetzt und wählten am 26. August Friedrich V. von der Pfalz zu ihrem neuen König. Nun schlössen die oö. Auf ständischen mit Böhmen eine Konföderation; das war Hochverrat und Abfall vom eigenen Landesfürsten. Am 28. August, als Ferdinand II. in Frankfurt zum Kaiser gewählt und gekrönt wurde, feierten die oö. Aufständischen in Linz die Konföderation mit Böh men. Als Folge schloß Kaiser Ferdinand II. auf der Rückreise von Frankfurt am 8. Oktober 1619 in München mit Maximilian L, Kurfürst von Bayern, ein Bündnis, das zur Verpfändung der landesfürstlichen Güter und zur bayrischen Verwaltung durch Graf Adam von Herberstorff führte. Am 19. Jänner 1620 schlössen die niederund oberösterreichischen Stände mit Böhmen und Ungarn den Preßburger Bund gegen Kaiser Ferdinand II. Mit Billigung der oö. Stände luden die Aufständischen am 25. April 1620 in einem Schreiben an die Hohe Pforte die Türken zur Teilnahme am nächsten ungari schen Reichstag ein. Das war ganz im Sinn des Besitzers der Herrschaft Schwert berg, des Kalviners Georg Tschernembel, mit dem Hans Wilhelm von Zelking eng befreundet war. Tschernembel waren im Kampf gegen den Kaiser und die katholi sche Kirche auch die Türken als Bundesgenossen willkommen." Besonders haßte Georg Tschernembel die Jesuiten. Schon 1619 hatte er einen Kriegsplan entworfen: Ungarische Truppen sollen in die Steiermark einfallen und die Jesuiten nieder hauen.®" Stiftsarchiv St. Florian, Lasberg, Fasz. I, Lit. A, Nr. 13 a. Georg Wagner, Wallenstein, S, 32. " Hans Sturmberger, Georg Tschernembel, Zur Geschichte der Gegenreformation, Linz 1953, S. 349. Hans Sturmberger, Tschernembel, Consultationes, S. 73.

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