OÖ. Heimatblätter 1999, 53. Jahrgang, Heft 1/2

gehen. Dort wohnte auch der Pfarrer, der den Filialsprengel St. Oswald seelsorglich mitbetreut hat, zuerst allein und dann seit 1519 hauptsächlich durch einen Hilfsprie ster. Schon 1570 wandten sich die Oswalder an den Vogteiherrn von Zelking, ihren Seelsorgesprengel zu einer Pfarre zu erheben. Zur Begründung wurde ange führt: 1. Der Ort zählt bereits 48 Häuser. 2. Wegen der weiten Entfernung zur Pfarrkirche müssen manche ohne Sakramente sterben. 3. Außerdem sei St. Oswald schon früher eine eigene Pfarre gewesen. Wilhelm Zelking hat dieses Ansuchen sehr unterstützt. Doch weder das Stift als Lehensherr und Patron, noch der zuständige Bischof in Passau ließen sich dafür gewinnen, weil sie aus Erfahrung wußten, daß die Zelkinger auch in St. Oswald einen protestantischen Prädikanten einschleusen wollten. Im gleichen Jahr, 1570, sollte Georg Reiser Pfarrer in Lasberg werden. 1571 hat er geklagt, „daß der Herr von Zelking der Messe wegen sehr gehäßig sei, keinen Meßpfaffen dulden wolle und nach Belieben einen Pfarrer aufnehmen werde". Das hat er schließlich auch getan, indem er eigenmächtig einen Prädikanten eingesetzt hat. Bis 1623 verlangten nun die Zelkinger von den Bewerbern einen Revers, wo sie sich verpflichteten, daß sie sich „in allem der evangelischen Lehre gemäß verhal ten und keine Abgötterei wie die Messe gebrauchen und daß sie Ihrer Gnaden (Vogtei Zelking) als ihre von Gott habende Obrigkeit in gebührenden Ehren, Respekt und Gehorsam erhalten wollen". Von 1571 bis 1623 hat dadurch das Stift St. Florian jeden Einfluß auf seine Pfarre Lasberg und deren Filialkirche St. Oswald verloren. Daher wurden in diesem Zeitraum die Gottesdienste und Predigten aufgrund der Weisungen der Zelkinger nach der Lehre Martin Luthers gehalten." Eigenmächtig setzte Wilhelm von Zelking 1589 den ehemaligen Zisterziensermönch Paulus Treppa in St. Oswald als Prädikan ten ein. Die Oswalder kauften das Haus im Markt 51 und stellten es ihm als „Pfarrhäusl" zur Verfügung. Außerdem gaben sie ihm jährlich 40 Gulden und die Hälfte der St. Oswalder Stola. Die zweite Hälfte und die jährliche Naturaliensammlung mußten die Oswalder weiterhin dem ebenfalls protestantischen Pfarrer in Lasberg geben, der sich weiterhin als Hauptseelsorger betrachtete. Der Ertrag dieser Natura liensammlung war: 20 Metzen Korn, 20 Metzen Hafer, 135 Riedl Flachs und 274 Eier." Das Verhältnis zwischen den beiden vom Vogtherrn Hans Wilhelm von Zel king eingesetzten evangelischen Pastoren war wenig mitbrüderlich. Der Pfarrer Johann Adamberger von Lasberg beschwerte sich über seinen in St. Oswald wohDr, Franz Linninger, Reichsgottesarbeit in der Heimat, 1954, Verl Stiftsbuchhandlung St. Florian, S. 94, Gestionsprotokoll St. Oswald, S. 32.

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