OÖ. Heimatblätter 1999, 53. Jahrgang, Heft 1/2

Daß dieses Gotteshaus nicht als Pfarrkirche errichtet wurde, erkennt man leicht aus seiner Lage. Pfarrkirchen hat man fast immer im Zentrum der Dörfer, die später vielfach Märkte geworden sind, errichtet. Die Kirche von St. Oswald steht aber am Westende des Marktes. Erst durch die große Bautätigkeit der letzten Jahr zehnte ist das Gotteshaus zum Zentrum des Marktes und seiner Siedlungen gewor den. Die erste Kirche wurde wohl auch in St. Oswald aus Holz errichtet; in den Nachbarkirchen Gutau und Lasberg ist das durch Urkunden belegt, in St. Michael konnte das 1957 durch Ausgrabungen bewiesen werden.^ Es ist anzunehmen, daß durch den Einfluß des Stiftes St. Florian auch in St. Oswald die Holzkirche bald durch eine Steinkirche ersetzt wurde. Diese romani sche Steinkirche wurde 1426 von den Hussiten zerstört. Bis zum Jahre 1480 befand sich die Pfarre Lasberg und damit auch die Filial kirche von St. Oswald unter der Vogtei des Landesfürsten. Die zweite Verwüstung der Kirche hängt in weiterer Folge mit dem Vogteitausch von 1480 zusammen. Am 11. September dieses Jahres vertauschte Kaiser Friedrich III. auf Bitten des Christoph Zelking von Weinberg die Vogtei der Pfarrkir che von St. Veit zu Lasberg und der Filial- und Zukirche zu St. Oswald im Landge richt Freistadt gegen die Pfarrkirche St. Margarethen zu Großgerungs und der Filial kirche zu St. Jakob im Landgericht Weitra.® 50 Jahre später, als die Zelkinger Protestanten mit einer Neigung zum Kalvi nismus geworden sind, haben sie ihre Vogteirechte mißbraucht; Aus Beschützern sind Beherrscher geworden. Um die Feier der hl. Messe unmöglich zu machen, haben sie in ihren Vogteikirchen Kelch, Missale und Meßkleider versperrt. Bei den Neubesetzungen der Pfarre Lasberg haben sie das Präsentahonsrecht des SHftes St. Florian mißachtet und haben auch gegen den Willen des zustän digen Bischofs von Passau, gegen die Gesetze des katholischen Landesfürsten und die klaren Bestimmungen des Augsburger Religionsfriedens von 1555 eigenmächtig protestantische Prädikanten angestellt.' Im oö. Bauernkrieg hat sich der starke kalvinische Einfluß besonders ver hängnisvoll ausgewirkt. Im Einflußbereich der Zelkinger-Herrschaft Weinberg sind die gotischen Bildsäulen völlig verschwunden.'" So kann man sich auch erklären, warum 1626 Lasberger Protestanten die Kirche in St. Oswald in Schutt und Asche gelegt haben." Nur die gotische Statue des Kirchenpatrons vom ehemaligen Flügel altar hat diesen Bildersturm überstanden. " Jahrbuch d. OÖ. Musealvereins Linz, 1958, Norbert Wibiral, Archäologisch-kunsthistorische For schungen an der Filialkirche St. Michael ob Rauhenödt. ® Stiftsarchiv St. Florian, Lasberg, Fasz. 1, Lit. A, Nr. 1. ' H. Awecker, Lasberg 1954, S. 25-31. OÖ. Heimatblätter, 1978, H. 1/2, J. Friesenecker, Die religiösen Kleindenkmäler in der Pfarre und Ge meinde St. Oswald b. Fr., S. 6. " Pillwein, Geschichte und Statistik von Österreich ob der Enns.

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