OÖ. Heimatblätter 1999, 53. Jahrgang, Heft 1/2

wegen ybler Soldathen vnd schon offl erfahrenener Schad, haben Vill Leuth abgehalten, denn das wether war sehen genung gewesst vnd ist kein Ursach daranP"^ Und der Archivar .P Beda Piringer notierte aus persönlicher Erfahrung: „Von alten Leu ten hörten wir über den Carnisseltag noch folgendes erzählen: da zwar eine jede Person, welche sich bei der Austheilung selbst einfand, ihre Portion Fleisch und Brod erhielt, keine aber zweimal kom men, oder für eine andere Person etwas verlangen durfte, so kam es, daß weit in der Umgebung, was da gehen konnte, die Häuser verließ und bei der Spende sich einfand. Das machten sich Diebe und Räuber zu Nutzen, so daß viele mit ihren paar Pfunden Fleisch und Brod in ein ausgeplünder tes Haus heim kamen. Adan sei daher froh, daß das Carnissel aufhörte."^^ Die Zeit der Ausspendung Die Fleisch- und Brotspende fand am Nachmittag des 10. Dezember, also am Vortage des Stiftertages, statt. Fiel dieser Tag auf einen Sonntag, fand die Verteilung schon am Samstag statt. Sie begann nach dem Mittagessen gegen 1 Uhr und dau erte mehrere Stunden, oft bis gegen 5 Uhr. Da der Viehbestand damals nicht so groß war wie heute, mußten die erfor derlichen Tiere anderwärts beschafft werden. So kamen z. B. die Ochsen aus dem Garstner Tal und Admont (1600), aus Rohrbach im Mühlviertel (1603), und 1630 wurden auch Ungarnochsen gekaufU' Anfang Dezember begann man die Tiere zu schlachten.^" Das Getreide wurde schon ab Michaeli (29. September) gemahlen, ab Leopoldi (15. November) begann das Backen der Brote, denen das Zeichen eines Wildschweines eingeprägt wurde. Aus manchen Gründen konnte der Karnisseltag auch verschoben werden oder ganz ausfallen. So kamen beispielsweise 1633 „nur" an die 11.000 Leute „wegen der Bedrohung durch Soldaten"."' Im folgenden Jahr wurde das „Gspendt" einer Seuche wegen überhaupt verschoben und erst am 18. Jänner 1635 (Petri Stuhlfeier) nachgeholt. Auch diesmal fanden sich viel weniger Leute ein."^ Auch im Pestjahr 1713 entfiel das „Gspendt", da die Ansteckungsgefahr noch nicht gebannt schien. Die Austeilung fand auch im darauffolgenden Jahr nicht statt. " Notiz von der Hand des Archivars P. Theodorich Hagn. In: Schwarzenbrunner, Vorarbeiten III, 277f. Notiz von der Hand des Archivars F. Beda Piringer. In: Schwarzenbrunner, Vorarbeiten III, 279f. StAKr, Kammereirechnungen B 1600/01, 162r; B 1603/04, 147v; B 1630 (nicht foliiert). „Im Hörbst zum lösen hatt Bartlme Treuffenstainer zue Wien Am Grieß ... zwölf vngerische öxen khaufft." (B 1603/05, 144v.) ■''' So war den Studenten verboten, in diesen Tagen das Schlachthaus zu betreten, da sie durch ein wild gewordenes Tier leicht in Gefahr kommen konnten. „NB. Cum proximis diebus mactentur boves pro annua dispensatione carnis, vetetur sub gravi reprehensione, ne quisquam laniarium accedat" (Virgil Trausner, Promptuarium atque diarium praefecti gymnasii 1707-1709, Diarium. Anno 1708, StAKr N/V/5, zum 2. 12. 1708; vgl. auch Benedikt Pitschmann, Kremsmünsterer Schülerleben vor 300 Jah ren. In: Gymn. Jb. 134 [1991], 142.) „Hoc anno non nisi 11.000 hominum ... advenere propter infestationes militum." (Pitschmann, Tage buch, 73.) Etwas mehr als 8.000, während sonst 14.000 Leute die Spende entgegennahmen. (Ebd., 79.)

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ4MjI2