über die Verwendung des Tassilokelches^^ gehen die Ansichien auseinander. War der Kelch ein Hochzeüshecher des herzoglichen Paares oder ein Weihegeschenk anläßlich der Kloster gründung 777, wie es Günter Haseloff für wahrscheinlich hält?^"' Während Stollenmayer dieses Kleinod für einen Kommunionkelch ansieht, ist es für Kellner ein Mischkelch für das Mixtum, einen Mischtrank, den die Benediktusregel vorschreibt.^^ Später, mindestens seit dem fahre 1669, hatte man längst auf diese Verwendungsmöglichkeit vergessen und benützte den „Stifterbecher" zum Umtrunk im Refektorium, gerade am Stiftertag. Dazu war ein Einsatz nötig, der aus Edelmetall angefertigt war und deshalb immer wieder abgeliefert und dann erneut angeschafft werden mußte. Erst der Wiener Kunstexperte Franz Bock sah nach 1857 in dem kostbaren Stück wieder ein liturgisches Gefäß. Deshalb wurde auch zumindest ab 1876 der Becher im Refektorium nicht mehr zu einem Umtrunk verwendet.^"^ Seit der Benediktion des Abtes Albert II. Bruckmayer (1964-1982) dient der Kelch des Stifters am Gründonnerstag und Stiftertag als Meßkelch bei der Konzelebration. Bei seinen Pastoralbesuchen zelebrierte Papst Johannes Paul II. in Wien (1983) und Salzburg (1998) mit diesem Kleinod. Außerdem wird der Tassilokelch bei der Abtwahl als Wahlurne verwendet. P. Bonifaz Schwarzenbrunner hat uns im 3. Band seiner „Vorarbeiten" auch den Stifter- und Karnisseltag ausführlich beschriebend" Die kirchliche Feier des Stiftertages^^ begann am Nachmittag des 10. Dezember. Um halb drei Uhr begann man mit allen Glocken zu läuten, worauf um drei Uhr die Totenvesper folgte. Sie wurde aber nicht choraliter gesungen, sondern figuraliter mit Orgel und Orchesterbeglei- ' Über den Tassilokelch siehe ausführlich Pankraz Stollenmayr, Der Tassilokelch. In: Festschrift zum 400jährigen Bestände des öffentlichen Obergymnasiums der Benediktiner zu Kremsmünster (hrsg. vom Frofessorenkollegium), Wels 1949, 1-109, außerdem Kurt Holter, Kunstschätze der Gründungs zeit. In; Die Anfänge des Klosters Kremsmünster (= Ergänzungsband zu den MOÖLA 2), Linz 1978, 111-116! Hier ist auch weitere Literatur zu finden. Ferner Egon Wamers, Zur Ikonographie des Tassi lokelch-Stils. In: Pyxides imaginatae. Zur Ikonographie und Funktion karolingischer Stilbecher. Ger mania 69 (1991), Röm.-German. Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts Frankfurt/M., 124-152. ' Holter, Kunstschätze der Gründungszeit, 117. ' Stollenmayer, Tassilokelch, 50-53; Altman Kellner, Inventar der im Stift Kremsmünster zur Feier des Gottesdienstes nötigen Geräte, Ms., Sakristei der Stiftskirche, 1951, 322 f. Bezüglich des wöchentli chen Tischlesers schreibt St. Benedikt vor: „Frater autem lector hebdomadarius accipiat mixtum priusquam incipiat legere." (Benediktus-Regel, Kap. 38.) ' Der Chronist vermeldet zum 11. Dezember 1876: „Beim heutigen Stifterfeste, bei welchem der Tassi lobecher zum ersten Male nicht mehr herumgereicht wurde, erschienen zu Tische 76 Gäste im Refek torium." (Cajetan Fruhwirth, Jahrbuch des Stiftes Kremsmünster III [1873-1876], Ms., StAKr Ia/II/1, 166). Stollenmayer, Tassilokelch, 50, gibt an, der Umtrunk sei erst 1877 eingestellt worden. Tatsäch lich wurde noch am 18. August 1877, am ersten Tag des Jubiläumtriduums, sowohl aus dem damals gestifteten Ehrenpokal als auch aus dem Tassilokelch ein Umtrunk gehalten. (Benno Wintersteller, Die jubiläumsgeschenke der Kremsmünsterer Studenten 1877 und 1977. In: Gymn. Jb. 120 [1977], 42.) ' Schwarzenbrunner, Vorarbeiten III, 245-280. Ebd., 254-257.
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