daten geladen, wobei es mitunter zu unerquicklichen Vorfällen kam, so z.B. am 10. Dezember 1750." Die Zahl der Geladenen war meist beträchtlich, doch gab es auch Ausnahmen, als beispielsweise im Pestjahr 1713 nur Abt Rupert II. von Gleink im Kloster weilte, alle anderen aber, auch die Pfarrer und Kooperatoren der Stifts pfarren, keinen Zutritt fanden. Eine Änderung bei Requiem und Libera ergab sich nach dem Jahre 1712. Am 11. Dezember dieses Jahres waren nämlich die Gebeine des Herzogsohnes Gunther und des sei. Wisinto in die neue Gruft vor dem Hochaltar übertragen wor den." Deshalb wurden von nun an Totenvesper und Requiem vor dem Hochaltar gehalten. Dabei wurden beim Libera zuerst die nunmehr errichtete Tumba, dann die Grabstätte der beiden mit Weihwasser besprengt und beräuchert." Uber den Verlauf des Stiftertages in der Mitte des 18. Jahrhunderts infor miert P. Heinrich Pichler in seinem „Calendarium Perpetuum". Um sechs Uhr wurde die Rorate in der Marienkapelle von einem Gast gefeiert, um sieben Uhr folgte die Konventmesse ebendort. Um neun Uhr wurde die Non gesungen, dann feierte der Abt das Pontifikalrequiem am Hochaltar. Beim Offertorium hielten die Meier, Mes ner und Totengräber einen Opfergang. Bei Tisch fand ein Umtrunk aus dem Tassilo kelch (e poculo fundatoris) statt, wobei ein außerordentlich köstlicher Wein (vinum extra pretiosum) kredenzt wurde." „unter disen gösten waren die mehristen Soldaten, welche 3t halbe tag allhier verbliben; mit denen gösten oder vielmehr mit ihren Bedienten ist auch ein silberner Böcher per 18. fl. mitgereist." (Notiz von der Hand des Archivars P. Theodorich Hagn. In: Bonifaz Schwarzenbrunner, Vorarbeiten zu ei ner Geschichte Kremsmünsters III, Ms., StBKr, CCn 583, 279) • „Anniversarium Fundatorum peregit Reverendissimus Glunicensius, qui solus hic erat, ex caeteris Hospitibus etiam Dominis Dominis Parochis et Cooperatoribus nullus fuit admissus." (P. Jakob Buechauer, Tagebuch 1706-1714, Ms., StAKr I/II/2, zum II. Dezember 1713.) Abt von Gleink war damals Rupert II. von Freysauff zu Neudegg (1709-1735). (Pirmin Lindner, Monasticon Metropolis Salisburgensis antiquae. Verzeichnis aller Aebte und Pröpste der alten Kirchenprovinz Salzburg, Salzburg 1908, 284.) ' Uber den sei. Priestermönch Wisinto, der um die Mitte des II. Jahrhunderts in Kremsmünster lebte, siehe Kellner, Profeßbuch, 99 f! Über die Geschichte des Stiftergrabes siehe Kellner, Zeugnisse des Stiftergrabes. In: Festschrift zum 400jährigen Bestände des öffentlichen Obergymnasiums der Bene diktiner zu Kremsmünster (hrsg. vom Professorenkollegium); Wels 1949, 245-256, über die Ergeb nisse der Skelettuntersuchung im Jahre 1948 Gustav Sauser, Die Untersuchung der Gebeine. In: Ebd., 257-264! Was die Gebeine Gunthers angeht, so sollen sie vor dem Neubau der Kirche 1232 im Stifter grab gefunden worden sein, und zwar wahrscheinlich in einem Erdgrab. In das neue Hochgrab ka men sie dann 1304. (Kellner, Zeugnisse des Stiftergrabes, 245-249; Pankraz Stollenmayer, Zur Grün dung des Stiftes Kremsmünster 777. In: StudMittOSB 85 [1974], 275 ff.; seine Interpretation ist aber sehr problematisch.) Die Guntherlegende findet sich zuerst bei Bernardus Noricus um 1300 (MGH SS XXV, 641, abgedruckt auch ebd., 333 f.) ' Vgl. Pühringer-Zwanowetz, Stift als neuzeitliche Anlage, 215, und 215, Anm. 211! P. Sebastian Mayrlechner, Tagebuch 1723-1732, Ms., StAKr Ia/II/2, zum 10. und II. Dezember. ' Pichler, Calendarium, 177.
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