OÖ. Heimatblätter 1999, 53. Jahrgang, Heft 1/2

Beiträge zum oberösterreichischen Orgelbau, herausgegeben von Rupert Gottfried Frieberger unter Mitarbeit von Ingemar Curt Melchersson, Isfried Hermann Pichler, Klaus Sonnleitner, Ele onore Uhl. Musikwissenschaftliche Beiträge der Schlägler Musikse minare, Band .V Innsbruck: Musikverlag Helhling KG, 1996. 256 Seiten mit zahlreichen Abbildungen und Faksi mile. ISBN 3-900590-83-4 Die Erforschung der Orgelbaugeschichte ei nes Bundeslandes muß zunächst auf dem Weg vieler lokaler Detailforschungen geschehen. Das Interesse gilt alten, möglichst original erhaltenen Instrumenten und deren Erbauern. So ist auch dieser Band ein Baustein, um diese Arbeit voran zubringen. Herausgeber und Autoren haben sich mit einigen Ausnahmen auf das dem Stift Schlägl benachbarte Gebiet konzentriert. Besonders wenn die Restaurierung einer hi storischen Orgel ansteht, kann erst nach ausführ lichen Untersuchungen des ursprünglichen Zustandes und der späteren Veränderungen das Ziel der Wiederherstellung festgelegt werden. Die Aufsätze über die Orgeln von Pfarrkirchen im Mühlkreis und Schönering bringen die Doku mentation der Orgelgeschichte und der eben durchgeführten Restaurierung. Die Beiträge über Orgelbauten in den dem Stift Schlägl inkorporier ten Pfarren in Böhmen, in der Stadtpfarrkirche Enns, Pfarrkirche Haslach, Maria-Anger-Kirche in Schlägl und in Maria Trost bei Rohrbach sind Er gebnisse von archivalischen Zufallsfunden und gegebenenfalls Nachträge (z.T. auch Versäum nisse) zu R. G. Frieberger, Orgelbau in Oberöster reich (vgl. OÖ. Hbl. 38 [1984] 348 f.). Hier würde man zumindest Hinweise (besonders bei Enns, Haslach) auf bekannte frühere und nachfolgende Orgelbauten erwarten, sonst stellt sich bei man chen „Kleinigkeiten" die Frage der Publikations würdigkeit. Mit Freude entdeckt man Abhandlungen über einige Orgelbauer, über die bis jetzt nur ei nige wenige biographische Details bekannt wa ren. Die als Chrisman-Nachfolger tätige Familie Hötzel (Hölzl) in Garsten und der bislang als Au todidakt geltende Matthäus Höfer in Niederwald kirchen werden ausführlich behandelt, zu den „kleineren" Orgelbauern aus Passau und Linz (17. bis 19. Jh.) gibt es einige Ergänzungen. Mit besonderer Akribie hat sich Klaus Sonn leitner um die Familie Hötzel (Peter, Simon, An ton, Franz) angenommen, die zwischen ca. 1780 und ca. 1865 ein beachtenswertes CEuvre schuf. Das in vielen Pfarrarchiven nicht gerade leicht zu gängliche Quellenmaterial wird lobenswerter weise weitgehend zur Gänze wiedergegeben, al lerdings ohne unmittelbare genaue Quellenbe zeichnung und Angabe des Standortes. Obwohl hier erstmals ein Werkkatalog der drei Generation geboten wird, fallen einige Mängel auf. Vieles, was in der keineswegs umfassenden Einleitung (S. 49-57) steht, ist zum Verständnis nicht erfor derlich und daher entbehrlich. Nach biographi schen Angaben folgt eine „chronologische Auf stellung der bis dato bekannten Arbeiten": diese „Aufstellung" sollte übersichtlicher angelegt sein (evt. in Tabellenform), müßte nicht in erhaltene und „verlorengegangene" Werke unterscheiden und sollte auch Angaben über Ersatz oder Umbau der Werke bringen. Hier sind drei in der einschlä gigen Literatur genannte Arbeiten des Simon An ton Hötzel zu ergänzen: 1829 Orgel der Stadt pfarrkirche Judenburg, 1837 Erweiterung der Or gel in Hieflau, 1856 Orgel in Neuhaus, NÖ. Einige weitere Korrekturen bzw. Hinweise: S. 60: In der Überschrift sollte auch Franz Hötzel genannt wer den. S. 80: Text über die Orgel in Altenmarkt fehlt! S. 88: Unklare Schilderung der Orgelbauten in Heiligenkreuz! S. 100: Hier fehlt die Überschrift „2. Behamberg". S. 105, 4. Absatz: „weshalb" statt „wegen dem"! S. 157: Hier fehlt die Frage nach der Herkunft des Gehäuseentwurfs und der Dekora tion. Inwieweit Peter Hötzel an Chrisman-Charakteristika stilistisch anknüpfte und im Vergleich mit anderen zeitgenössischen Orgelbauern sich eigen ständig stilistisch weiterentwickelte, wird nicht ausreichend beantwortet. Die Art der Literaturzi tate ist unbeholfen und in wissenschaftlichen Ar beiten unüblich. Die gewiß mit großem Fleiß und zeitlichem Aufwand erarbeitete Studie ist unausgereift - die Verarbeitung zu einem lesbaren Text ist nicht immer gelungen, hätte eine genauere Durchsicht und Beratung durch den Herausgeber vor der Drucklegung benötigt. 1. H. Pichler hat sichtlich mit Sorgfalt biogra phische Details über Matthäus Höfer, der als Ne benerwerbslandwirt Orgeln baute und viele ge wissenhaftest reparierte, und über Anton Hanel, Franz und Josef Hillenbrandt und Christian Wil helm ausfindig gemacht. Übrigens, A. Hanel war 1854 Gehilfe von Josef Breinbauer (S. 204). Ge nauer verfolgen müßte man den Vornamen des Sohnes Jacob Praitensteiners (Breitensteiner auf

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