OÖ. Heimatblätter 1999, 53. Jahrgang, Heft 1/2

mene Informationen bietet der Beitrag von Chr. Meran und E. Maier über die Familie des auf der Tillysburg lebenden Grafen Charles O'ffegerty, dessen Kinder A. Bruckner in seinen St. Florianer Jahren unterrichtete, besonders die biographi schen Details in Zusammenhang mit einem wich tigen Autographenfund. Johann Ev. Bruckner, ein entfernter Verwandter Anton Bruckners, wird von dessen Urenkel J. Kurz vorgestellt. Sein Lebens lauf, Lehrer und Organist in einigen dem Stift St. Florian inkorporierten Pfarren, weist viele Paralle len zum berühmten, vermutlich aber nur geringen Kontakt pflegenden Vetter Anton auf, was den Autor bei etwas überzogener Weitschweifigkeit zu weiteren Spekulationen ermutigt. Die Tagebücher des Ludwig Kronawitter, Kammerdiener und ex zellenter Geiger des Stiftes Seitenstetten, berich ten über sein häufiges Mitwirken gemeinsam mit Bruckner am Augustinusfest in St. Florian. Mit besonderem Stolz haben die Zeitungen Steyrs die Erfolge ihres „berühmten Landsmannes" geschrie ben, ein Beispiel für die Berichterstattung in der Tagespresse. Das Symposion des Bruckner-Gedenkjahres 1996 befaßte sich mit einem der wichtigsten The men innerhalb des Gesamtschaffens Bruckners und knüpfte an das Symposion 1995 „Zum Schaf fensprozeß in den Künsten" unmittelbar an. Faßt man die Arbeitsziele Bruckners und die Gestalt, in der seine Werke im Lauf der Zeit präsentiert wur den, ernsthaft ins Auge, wird die Bedeutung die ses umfangreichen Problemkomplexes, teilweise bereits beim Symposion 1980 diskutiert, deutlich. Paradebeispiel dafür ist die dritte Symphonie Bruckners: In 16 Jahren Arbeit entstanden drei handschriftliche Partituren, zwei zeitgenössische Druckfassungen, nach 1945 sechs publizierte Fas sungen. Hier war es nötig, Definition und Bedeu tungswandel der Begriffe „Fassung", „Bearbei tung" und „Vollendung" zu überdenken und mit Rücksicht auf Bruckners tiefe Eingriffe bei Umar beitungen differenziert anzuwenden. Dreizehn Referate und drei Round-tables präsentieren bei schon traditioneller Einbeziehung verwandter wissenschaftlicher Disziplinen (Literatur- und Kunstwissenschaften) wesentliche Erkenntnisse. Auch die Edition der Briefe A. Bruckners im Rahmen der neuen Gesamtausgabe seiner Werke wurde am ABIL, wo dafür entsprechende wissen schaftliche Grundlagenforschungen verfügbar sind, erarbeitet. Die lange Geschichte der kriti schen Ausgabe der Briefe zeigt auch deren um fangreiche Problematik auf, die nunmehr A. Harrandt zu bewältigen hatte. Im Bestreben um größtmögliche Vollständigkeit dieses wichtigen Quellenwerks wurden neben Briefen von und an Bruckner auch Briefe anderer, die Wichtiges, in Bruckners Briefverkehr nicht Ausgesprochenes über Bruckner enthalten, aufgenommen. Von den 476 in diesem Band edierten Briefen sind 349 von Bruckners Hand. Ein zweiter Band wird Briefe der Jahre 1887 bis 1896 zugänglich machen. Da neben gezielten Nachforschungen gerade in den letzten Jahren auch völlig zufällig Briefe auftauchten, sind noch weitere Funde zu erwarten. Um solche Briefe später einreihen zu können, wurden die Briefe mit dem Datum numeriert (771025 = 25. Okt. 1877). Für uns ist unverständ lich, einzelne Briefe auf Wunsch der Besitzer nicht im vollen Wortlaut wiedergeben zu dürfen (z.B.: Brief 771025). A. Harrandt und ihre Vorgänger in dieser Aufgabe haben mit besonderer Sorgfalt ei nen korrekten Text - im Vergleich zu den früheren Briefausgaben waren nicht wenige Korrekturen erforderlich - erstellt. Der kritische Apparat ent hält Angaben über Aufbewahrungsort der Origi naldokumente oder, falls diese derzeit nicht be kannt sind, ältere Druckwiedergaben. Unerläßlich sind die jedem Brief beigegebenen biographi schen Angaben, Klärungen von Namen und di verser damals gängiger bzw. nur in privater, freundschaftlicher Kommunikation geläufiger Ausdrücke der Umgangssprache. Auf genannte, aber nicht erhaltene Briefe wird hingewiesen. Daß hier nicht alle Fragen beantwortet werden konn ten, liegt in der Natur dieses überaus komplexen Materials. Ein ausführliches Register erschließt dieses umfassende, in jeder Hinsicht vorbildlich erarbeitete Quellenwerk. Karl Mitterschiffthaler Neuntes Symposion. Bruckner und die „KirchenSymphonik" 1896-1996. Symposion Brixen. Brixner Initiative Musik und Kirche. Brixen: A. Weger, 1997. 116 Seilen mit Notenheispielen und Fotos. ISBN 88-85831-52-4 Die „Brixener Initiative Musik und Kirche" hat 1996 Anton Bruckners Schaffen auf das Pro gramm seiner Symposien gesetzt. Laut Vorwort wollte man sich mit den „symphonischen Ge meinsamkeiten der Messe und der Symphonie, wie sie vor allem bei Schubert und Bruckner vor handen sind, eine symphonische Musiksprache (ohne Text), die durch ihren spirituellen, geistli-

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