OÖ. Heimatblätter 1999, 53. Jahrgang, Heft 1/2

„Endlich gegen 10 Uhr brachen wir auf, um in das über 400 m tiefer in der Schlucht des Cordevole-Baches gelegene Caprile zu gelangen. Anfangs gings wie der über die oben beschriebenen elenden Karrenwege, dann eine Zeitlang auf schö nen Wanderwegen dahin, schließlich gelangten wir aber wieder auf einen entsetzlich holprigen Steig, der leider meine, in den letzten Tagen etwas empfindlich geworde nen Hühneraugen bös hernahm, hinunter auf die schöne, hier an der Grenze begin nende Zollstraße ins Agordothal. Der am Zollhause stehende grimmig bewaffnete Zollwächter ließ uns ohne viel Förmlichkeiten, nur auf unsere Angaben hin, daß wir viaggiatori seien, unbehindert ziehen und wir hielten fröhlich - ich allerdings etwas hinkend - den Einzug in Caprile (1023 m), aus dem uns schon von weitem von einem schönen großen Gebäude zu unserer Überraschung der deutsche Schild ,Gasthof zur Post' verheißungsvoll entgegenwinkte. [...]" Im Petiorinathal. „Auf meist sehr guten, schönen Wegen, die uns im Gegensatze zu den gestern und vorgestern benutzten, als ein reiner Hochgenuß erschienen, gings also erst hinauf in Val Pettorina über Rocca d'Agordo, dann durch den Wald oder über Alpenweiden, an Gehöften vorüber, bei denen uns scharenweise bettelnde Kinder um einen soldo anflehten und verfolgten, zur Sottogudaschlucht. Es ist dies eine etwa V4 Stunden lange, von einem ziemlich mächtigen Bache durchbrauste und durch die umgebenden hohen Felswände recht malerische Schlucht, mit den Klam-

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