OÖ. Heimatblätter 1999, 53. Jahrgang, Heft 1/2

Neuregelung ab 1997 Der Gemeinderat der Marktge meinde Wartberg ob der Aist beschloß auf der Grundlage des Gesetzes über die Kennzeichnung von Ortschaften, Ver kehrsflächen und Gebäuden in Verbin dung mit § 43 Abs. 1 der Oberösterrei chischen Gemeindeordnung am 5. Juli 1996 die „Verordnung... über die Neu bezeichnung von Ortschaften, Einfüh rung von Straßenbezeichnungen und Neunumerierung der Gebäude". Diese Verordnung wurde auch der Verord nungsprüfung durch das Amt der oö. Landesregierung unterworfen und ist seit November 1996 rechtswirksam. Der Neuregelung ging eine mehrjäh rige Diskussion in den einzelnen Ge meindefraktionen voraus. Auch die An regungen und Wünsche der 3.565 Ein wohner mit fiauptwohnsitz (Stichtag 31. Dezember 1996) in ca. 1.100 Haushal ten wurden - wie Bürgermeister Erich Hackl versichert - in einem Bürgerbetei ligungsverfahren weitgehend berück sichtigt. Geeinigt hat man sich darüber, daß die neuen Straßenzüge den alteinge sessenen Namen behalten und Straßen nicht den Namen von Prominenten oder Künstlern zu geben, weil Wartberg keine international bekannten Künstler oder andere im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehende Leute habe (so der Bauaus schußvorsitzende Ernst Stütz). Diese Auffassung vertrat auch der gesamte Ge meinderat. Daraus erklärt sich auch, daß keine Straße oder kein Weg dem Minne sänger des 12. Jahrhunderts Dietmar von Aist (etwa 1139-1170) gewidmet wurde, obwohl dieser in verschiedenen Publika tionen mit Wartberg und dem bei Frens dorf gleich nebenan liegenden Altaistberg in Verbindung gebracht wird.^ Die wesentlichen Veränderungen fanden außerhalb des Zentrums statt. Um den Marktplatz herum wurden fünf zehn Straßen- und Platznamen einge führt: Hauptstraße, Wenzelskirchenweg, Lamplgasse, Arnberger Straße, Am Sportplatz, Schreinerweg, Reiserbauer weg, Am Teich, Im Weg, Seilerstätte, Ringelwiese, Kapellenweg, Kalvarienberg, Schulstraße, Pfarrplatz. Die Veränderungen betreffen das ge samte Gemeindegebiet, d.h. auch die 27 Ortschaften, Straßen und Wege außer halb des Zentrum, die hier im einzelnen nicht aufgeführt sind. An dieser Stelle ist es geboten, einige der vorgenannten Straßenbezeichnun gen zu erläutern: Der Wenzelskirchenweg führt vom Marktplatz zwischen dem Gasthof Stegfellner und dem Haus Marktplatz Nr. 2 A. V. Meiller, Regesten zur Geschichte der Markgrafen und Herzöge Österreichs, Wien 1850, S. 230, Note 235: „...Ihr Stammschloss Aist lag auf einem Berge rechts der Straße von Wartberg nach Ried. Der Berg heisst noch ge genwärtig Altaist.. F. Vogt, Des Minnesangs Frühling, Leipzig 1914, S. 307: „... Nach ihm war auch die Stammburg des freiherrlichen Geschlechtes benannt, deren Trümmer auf einem noch jetzt Altaist geheiße nen Berge zwischen Ried und Wartberg ... lie gen ..." W. Stammler, Die deutsche Literatur des Mittel alters, Leipzig 1933, 1. Band, S. 415: „...auf ei nem Bergkegel an der Aist zwischen Mauthau sen und Wartberg..." Prospekt des Fremdenverkehrsamtes PregartenTragwein-Wartberg: „... Dietmar von der Aist stammte von hier..." J. Miesenberger, Die Schulgemeinde von Wart berg ob der Aist, Schönau 1996, S. 16: „.. .Auf seiner Burg auf dem Altaistberg schrieb damals der Minnesänger Dietmar von Aist seine herrli chen Lieder..."

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ4MjI2