1930 ist zu lesen: Die Gründung der Heim wehr hat die bürgerlichen Parteien ermutigt, ein Kriegerdenkmal zu schaffen. Schon sind 6.000 Schilling gesammelt. Den Sozialdemokraten war es bis jetzt nicht genehm, wenn es eine Feier mit dem Aufzug patriotischer Vereine gehen würde. Aber bei der Weihe des Denkmals wird es so sein! Und wieder später lesen wir in der Pfarrchronik: Am 21. September 1930 fand die Enthüllung des Kriegerdenkmals statt. Entwurf von Bildhauer Wagner aus Wien, Steine Helfenberg, gespendet von Graf Revertera, Gesamtkosten 13.000 Schilling. Nachmit tags Aufmarsch der Veteranenvereine, da der hiesige Verein zugleich sein öOjähriges Be standsjubiläum'' feierte. Das Denkmal besteht aus vier übereinandergeschichteten Granitquadern. Unter den Jahreszahlen 1914/18 sind die von Philipp Plittersdorf verfaßten Verse zu lesen: Von Kriegsnot künden vier Steine blank / Vier Steine mahnen ans Scheiden / Vier Steine seien der Heimat Dank / Für Helden treue und Leiden. Auf den übrigen Seiten flächen die Namen der 55 Ottensheimer, die im Ersten Weltkrieg gefallen sind. Auf dem obersten Stein steht die vom akademischen Maler und Bildhauer Adolf Wagner von der Mühl geschaffene Bronzefigur eines fallenden Soldaten. Doch welche Ironie des Schicksals. Schon zwölf Jahre nach der Errichtung des Denkmals wurde die Bronzefigur des sterbenden Kriegers abgenommen und zur Herstellung neuer Kriegswaffen eingeschmolzen.^ Über den Ersten Weltkrieg gibt es noch ein halboffizielles papierenes Krie gerdenkmal, das auf dem Gendarmerie posten in Ottensheim aufliegt. Es ist das Gendarmerie-Tagebuch des Postenkom mandanten Ferdinand Hawel. Tag für Tag hat Hawel penibel und minutiös nie dergeschrieben, was sich während des Ersten Weltkrieges im Rayon Ottens heim ereignet hat. Wir erfahren von der ursprünglichen Kriegsbegeisterung, die sich bald legte, nachdem die Nachrich ten von den ersten Gefallenen eingetrof fen sind, von den Kriegsgefangenen in Ottensheim, ihrer Bewachung, ihren Ausbrüchen, vom Lebensmittelmangel, vom Hamstern und von der Verhinde rung des Hamsterns durch die Gendar men, von den von den Bauern geforder ten Ablieferungen von Getreide, Fleisch, Pferden u.a. Ich hatte Gelegenheit, die ses einmalige schriftliche Denkmal des Ersten Weltkrieges einzusehen und es durch eine Ausgabe in kleiner Auflage für die Öffentlichkeit zugänglich zu ma chen.® Die Denkmale des Zweiten Weltkrieges Das neue Ottensheimer Krieger denkmal ist mit dem Ölbergrelief an der Kirche (von 1430 bis 1440) und den vier Steinen des alten Mahnmals zu einem Gedenkensemble vereinigt. Nach dem Zweiten Weltkrieg dau erte es 15 Jahre, bis man die Errichtung eines Kriegerdenkmals beschloß. Erst ■' Laut Vereinschronik wäre es zwar sein 64jähriges Bestandsjubiläum gewesen. ' O. Kampmüller, a.a.O., 1989, S. 8f. ® O. Kampmüller (Hrsg. und Bearb.): Alltag in Ottensheim. Juni 1914 bis November 1918. Der Erste Weltkrieg im Spiegel des GendarmerieTagebuchs von Wachtmeister Ferdinand Hawel. Ottensheim 1988, 211 Seiten, mit Personen-, Orts- und Sachregister. - Vgl. dazu auch: O. Kampmüller: Gendarmerie-Wachtmeister Fer dinand Hawel. Ein bedeutender Ottensheimer Chronist. In: Oberösterreiche Heimatblätter, Jg. 42 (Linz 1988), H. 3, S. 176-182 (*1874 Zeschau, Bez. Frößnitz/Mähren, tl951 Ottensheim).
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