OÖ. Heimatblätter 1999, 53. Jahrgang, Heft 1/2

Erinnerungstafel hätte verhindert, daß dieser wichtige geschichtliche Anhalts punkt inzwischen in Vergessenheit gera ten ist. Ansonsten werden die Kampfstätten des Oberösterreichischen Bauernkriegs 1626 durch Dutzende von Denkmalen bis heute in Erinnerung gehalten. Zum erstenmal versuchte der einfache, noch tiefgläubige Mensch für seine ange stammte Religion einzutreten und gegen die Obrigkeit, und besonders gegen die Schikanen dieser Obrigkeit, anzukämp fen. Fast alle Bauernkriegsdenkmale ent standen aber erst nach dem 300jährigen Jubiläum des oberösterreichischen Bau ernkrieges im Jahr 1926. Ein neuer Im puls kam von der Bauernkriegsausstel lung im Jahr 1976. Daß die Bauern kriegsdenkmale so gut erhalten und do kumentiert sind, verdanken sie einem bis heute funktionierenden Komitee, das sich die Aufgabe gesetzt hat, Bauern kriegsdenkmale nicht nur zu errichten, sondern auch zu pflegen und ihren ge schichtlichen Hintergrund zu erforschen und aufzuzeichnen. Kriegerdenkmale für einfache Soldaten Die Erinnerung an den Krieg wurde schon vor Jahrhunderten durch Inschrif ten wachgerufen und wachgehalten. Noch älter ist die bewußte Erinnerung durch Monumente an siegreiche Feld herren. Die in einem Krieg zugrunde ge gangenen Soldaten, die Gefallenen, wa ren noch lange nicht denkmalwürdig. Der politische Totenkult in der von uns gepfleg ten Form ist nur etwa 200 fahre all. In den Kriegen im Gefolge der Französischen Revolu tion begann man in Frankreich, Osterreich und andernorts damit, nicht nur den Feldherren und einigen wenigen Hochvermögenden Denkmäler zu errichten, sondern auch jene zu berücksichti gen, die keiner Elite angehörten und an die sich bald niemand mehr erinnert hätte. Was in In tention und Inschrift immer stärker zum Aus druck kam, war der Wunsch, den Tod für sinn voll zu erklären. Daß keiner umsonst gefallen sein möge,... wie das auch im ältesten in Öster reich errichteten Kriegerdenkmal, der vom Für sten Liechtenstein als Husarentempel geschaffe nen Erinnerungsstätte an die im Jahre 1809 Gefallenen seines Regiments zum Ausdruck kam.^ Erst 82 Jahre später befaßte man sich in Oberösterreich zum ersten Mal mit der Errichtung von Kriegerdenkmalen. Am 28. Oktober und am 10. November 1891 behandelt der Linzer Gemeinderat die Kausa „Erinnerung an die auf dem Felde der Ehre Gebliebenen" und be schließt, daß an der Außenseite der Linzer Haupt- und Stadtpfarrkirche monumentale Steintafeln anzubringen seien, auf welchen jene Personen vermerkt werden sollten, die in den verflossenen Kriegen auf dem Felde der Ehre geblieben oder an ihren Wunden ge storben sind. In Ottensheim dachte man zwar noch lange nicht an die Errichtung eines offiziellen Kriegerdenkmals, aber eine le bendige Erinnerung an die letzten Kriege stellte der 1866 gegründete „Krieger und Veteranenverein Ottensheim a. d. Donau" dar. Bei allen Feiern im Markte traten die alten Kriegsteilnehmer in ihren Uniformen und mit ihren Orden und Auszeichnungen auf, bei allen ProzessioM. Rauchensteiner: Wo sind sie geblieben? Zei chen der Erinnerung. Sonderausstellung im Heeresgeschichtlichen Museum vom 22. Okto ber 1997 bis 22. Februar 1998. Wien 1997, S. 11.

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