OÖ. Heimatblätter 1994, 48. Jahrgang, Heft 2

Oberösterreich in der Karikatur - Karikaturisten aus Oberösterreich Von Harry Slapnicka Was ist eine Karikatur? Was ist die Aufgabe eines Karikaturisten? Alle Ant worten auf diese Fragen gelten ganz all gemein für Osterreich, für andere Län der: das Typische eines Mannes, das Be zeichnende seines Wesens aufzuzeigen, die politische oder gesellschaftliche Gruppe, die er vertritt, das Besondere ei ner Entscheidung, das (fast) Einmalige seiner Aufgabe. Aber wie das zu gesche hen hat - hier reicht die Skala von „hochachtungsvoll" fast bis zu einer ge strichelten oder gemalten Hinrichtung. Von „Ironimus" (Gustav Peichl) schrieb einst Hans Weigel: „Er zeichnete stets hochachtungsvoll, nicht um zu ver wunden, sondern um zu heilen." Er cha rakterisierte seine „Friedfertigkeit und Streitbarkeit" und fügte noch hinzu, ,„Ironimus' habe mancher offiziellen Pro minenz verliehen, was sie bisher nicht besaß: ein Profil." Von „Florian" (Prof. Rudolf Nemec) schrieb Hans Ungar: „Florian stichelte und strichelte also Tag für Tag und Woche für Woche (,Aufgespießt') in den Mißständen der Gesell schaft herum, entlarvte mit gutmütiger Bosheit und liebenswürdiger Tücke Poli tisches und Unpolitisches." Der Südtiro ler Paul Flora wurde als „zeichnender Philosoph" gewertet, beeinflußt von Steinberg, Kubin und Grosz, literarisch zwischen Roda-Roda und Kafka behei matet. Und die seinerzeitige „Zeit"-Chefredakteurin Marion Gräfin Dönitz, für die er mehr als tausend Karikaturen ge zeichnet hatte, meinte: „Er vermag mit ein paar Strichen ein Problem, eine Si tuation, ein Geschehen schärfer, ein leuchtender, schlagfertiger zu kommen tieren, als wir mit noch so viel Zeilen und Spalten." Der Karikaturist Dieter Zehentmayr vom „Kurier" wurde von Helga Goggenberger persönlich folgen dermaßen charakterisiert: „Ein freundli cher Mann. Ein Lächeln, verbindlich, voll dezenter Hinterfotzigkeit." Auch der als „Karikatur-Tomograph" Gewertete kommt zu Wort: „Ich karikiere, was ei ner tut - nicht die Person." Seine Arbeit, seine Karikatur wertet der derzeitige OÖN-Karikaturist Michael Pammesberger folgendermaßen: „Sie muß zugleich Blickfang und Kommentar in zeichneri scher Form sein." Und von Gerhard Ha derer („Profil", „OÖN") meint R. Tramontana: „Dies ist nämlich das einzige, was ihn an Prominenz interessiert: das System, das sie repräsentieren, ersicht lich zu machen." Und der „heimliche Per fektionist" wird zitiert: „Haderer", sagt Haderer, „ist nur gut, wenn er aggressiv ist, er ist schlecht, wenn er sich wohl fühlt." Oberösterreich - ein karger Boden für Karikaturisten Nun ist Oberösterreich und seine Politik kein guter Boden für Karikaturi sten. Die Karikatur, die von Kontrasten

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