OÖ. Heimatblätter 1994, 48. Jahrgang, Heft 2

Eine im unteren Mühlviertel völlig ungebräuchliche Bezeichnung für eine nicht hohe Felsgruppe, auf der ein Sitz gemutet wurde, lautet „'s Gebirg". Dieses Areal liegt am Abhang eines bewaldeten Berges beim Hintereibenbergergut nord westlich von Liebenstein in der Gemeinde Liebenau bei Freistadt. Der Grundbesitz umfaßte einmal 210 Joch mit einer Eigenjagd. Nun heißt es in dem Buch „Unser kel tisches Erbe", daß die indogermanische Wortwurzel Bhrg, keltisch Brig, den Berg bezeichnet, das Hohe, das In-die-Höhe-Ragen. Sie bedeutet weiters „verbergen, schützen", wie es in unserem Wort Burg zum Ausdruck kommt, das aus demselben Wortstamm wie Berg hervorgegangen ist. „Brig, der hohe Berg, Briga, die verber gende Burg, gaben den Menschen vor allem anderen Schutz und Geborgenheit."^^ Wenn auch ein Zusammenhang der Wörter „Gebirg" und „Brig" von hier aus nicht zu beweisen ist, gibt doch die ungewöhnliche Flurbezeichnung zu Überlegungen Anlaß, da es ja außer den keltischen - oder gar vorkeltischen - Flußnamen in diesem Gebiet auch keltische Bergnamen mit dem Bestimmungswort „Gais"- u.a. gibt. Dies alles stärkt die Vermutung, daß das untere Mühlviertel viel früher und schon ursprünglich weiter in den Nordwald hinein - als bisher angenommen - besiedelt war, wie z. B. (zumindest für das Hochmittelalter) gerade die Funde von den Lehrmüller Mauern hoch oben am Tannermoor beweisen. Vielleicht wurde auch die Ausdehnung des „Nordwaldes" zur Donau hin falsch eingeschätzt. Klarheit darüber wird es wegen des Fehlens schriftlicher Nachrichten erst dann geben, wenn genug aussagekräftige Bodenfunde von den nördlichsten Sitzen vorliegen, oder wenn es gelingt, den mehr oder weniger als Scharlatan beargwöhnten Forscher mit der Wünschelrute durch ein „elektrisches Kastl" zu ersetzen. Alle Landschaftsbilder, Skizzen und Pläne stammen vom Verfasser des Aufsatzes. Die Aufnahmen der Fundgegenstände wurden von den Amateurfotografen Franz Höllwirth und Leopold Höllwirth, beide aus Pregarten, gemacht. '■ Wie Anm. 14, S. 198 ff.

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