OÖ. Heimatblätter 1994, 48. Jahrgang, Heft 2

Wallfahrtswege hin zum spanischen „Camino" an Bedeutung. Der Abschnitt durch Osterreich und Bayern bis nach Maria Einsiedeln in der Schweiz, einst ein wichtiger Sammelplatz für Santiagopil ger, wird im vorliegenden Werk vor allem im Bild - von Bratislava/Preßburg bis Maria Einsiedeln - vorgestellt. Die einleitenden Textkapitel von B. Graf - be stens fundiert und interessant geschrieben - sind zumeist allgemein gehalten und behandeln den hl. Apostel Jacobus d. A., die Geschichte seiner Ver ehrung und der Wallfahrt zu seinem angeblichen Grab. Auch das „Tagebuch eines Pilgers nach Santiago de Compostela" des Linzers Rudolf Gru ber, erstmals erschienen 1976, wird zitiert. Die Verehrungsstätten des hl. Jakob in Osterreich, Bayern und der Ostschweiz kommen selbstver ständlich in den einzelnen Abschnitten nicht zu kurz (auf S. 40 muß es statt „Groß-Raining" richtig Großraming heißen; das Galgenwunder und das Hühnermirakel sind, übertragen auf Tiroler San tiagopilger, auch in einer Kapelle in der Unterleutasch dargestellt) und finden mit der Auflistung der Jakobuspatrozinien (inkl. -altäre) eine gute Er gänzung. Für Oberösterreich sind nachzutragen die Spitalskirche in Gmunden und die Schloßka pelle von Hackledt, dafür ist mir in keinem ober österreichischen St. Florian ein Jacobus-Altar be kannt. Mit „Unterirrbach" ist Unterirrach bei Pichl gemeint. In seinem Geleitwort schreibt der Abt des Be nediktinerklosters Andechs, Dr. Odilo Lechner, u.a., der Leser „mag staunen, wie durch diese Wallfahrt einst die Regionen Europas miteinander verbunden waren ... Vielleicht findet er es auch erstaunlich, wie viele Menschen sich heute wieder für den Jakobsweg interessieren". Schon vom Titel, aber auch vom Umfang her stehen die Bilder im Vordergrund. Die Aufnah men von H. G. Kaufmann sind zum Großteil her vorragend und zeigen nicht nur bekannte Kunst denkmale entlang von Donau und Inn und weiter über den Arlberg Richtung Schweiz, sondern auch so manche Kleinigkeiten am Weg, die aller dings manchmal nur sehr wenig bis gar nichts mit dem hl. Jakob zu tun haben. Geradezu scheußlich ist jedoch bei vielen Abbildungen deren Wieder gabe im Druck; überwiegend blaustichig, in den Schwarzweißbildern oft nur Grau in Grau; einige Bilder sind völlig unscharf wiedergegeben, was hier keineswegs als fotografischer Effekt zu deu ten ist. Nur so nebenbei sei vermerkt, daß die Li thografien in Verona erstellt und das Buch in Kranj/Krainburg in Slowenien gedruckt wurde. Schade, es hätte nicht nur ein interessantes, son dern auch ein schönes Buch werden können. Dietmar Assmann Hedi Herres: Bayerischer Bilderbogen. Brauch tum und Geschichten. Rosenheim: Rosenheimer Verlagshaus, 1993. 144 Seiten, Abbildungen. ISBN 3-475-52735-9 Die Autorin, Studiendirektorin am Dachauer Gymnasium und freie Mitarbeiterin beim Bayeri schen Rundfunk, ist mit diesem Buch einem oft geäußerten Wunsch ihrer Hörer nachgekommen, die ihre Sendungen auch nachlesen wollten. Es ist tatsächlich ein bunter Bilderbogen geworden, den sie hier vorlegt. Geschichten über bayerische Ori ginale, vom Volksleben und Volkswissen sind hier vereint. Wiewohl erkennbar ist, daß offenbar gründlich recherchiert wurde und nicht einfach ir gendwelche Legenden wiedergegeben werden, ist es doch kein reines Fachbuch. Vielmehr steht das Erzählende im Vordergrund. Es ist dies auch das Anliegen der Autorin, nämlich informative Unter haltung zu bieten. Dies ist in erfreulicher, anspre chender Weise gelungen. Der gute, humorvolle Stil garantiert ein erbauliches, aber auch fesseln des Lesevergnügen und vermag breiten Bevölke rungsschichten Wissen zu vermitteln. Alles in al lem ein Buch, das sicher auch viele Oberösterrei cher - und nicht nur solche, die ein ausgesproche nes Faible für unsere bayerischen Nachbarn besit zen - gerne in die Hand nehmen werden. Gerhard Gaigg Wendelin Bachlechner: Das neue BachlechnerBuch. Ein Lebensbild des Tiroler Bildhauers und Malers Josef Bachlechner d. Ä. Absam: Eigenverlag Dr. Wendelin Bachlechner, 1993. 199 Seiten mit 104 Färb- und 100 Schwarzweißabbildun gen, S 480,-. Für wahrscheinlich gar nicht so wenige dürfte es nicht ganz einfach sein, das Werk Josef Bachlechners richtig einzuordnen, ist er doch wohl den meisten nur als Schöpfer lieblicher, tänzelnder En gelchen und lange Zeit geradezu als Kitsch abge taner Weinachtsdarstellungen bekannt. Seine Krippen-Ausschneidebögen erlebten zahlreiche Nachdrucke und sind auch in Oberösterreich ver breitet. Dem gegenüber stehen etwa die aus drucksstarken Monumentalkreuze in der Ge-

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