OÖ. Heimatblätter 1992, 46. Jahrgang, Heft 4

liehen Sinn begründet hat, ist es umso aufschluß reicher, seinen Einflüssen bei einigen seiner Schü ler und den Einflüssen, die nicht durch ein Schü lerverhältnis, sondern durch Bruckners Werke ge wirkt haben, nachzuspüren. Aber auch den soziokulturellen Momenten, wie dem Schulwesen die ser Zeit oder Bruckners Theorieschülerinnen, wurde Rechnung getragen. Der Abdruck einer Zusammenfassung der Schlußdiskussionen kann leider nicht den wert vollen und anregenden Gedankenaustausch, der sich zwischen den Referaten im spontanen Ge spräch ergibt, wiedergeben; gerade das macht aber die Teilnahme an diesen Symposien lohnenswert. Karl Mitterschiffthaler Carl F. Panagl-Holbein: Demut und Pracht. Ein Blick in die Klöster- und Ordenslandschaft Österreichs. Wien: Kremayr & Scheriau, 1991. 240 Seiten, zahlreiche Farbaufnahmen. ISBN 3-218-00519-1 An den Stiften und Klöstern Österreichs ha ben Autoren wie Leser immer wieder Interesse ge zeigt, was eine stattliche Reihe von Publikationen mit unterschiedlichen Schwerpunkten zeigt. Der Titel des vorliegenden Buches läßt erwarten, daß die reiche Kulturpflege der Klöster nicht nur von ihren allbekannten Spitzenwerken her dargestellt wird, sondern, daß auch die geistige Haltung, das religiös-geistige Fundament des Ordenslebens, aus dem diese Werke hervorgegangen sind, erör tert wird. Man denkt dabei an Begriffe wie Bettel ordensarchitektur, Zisterziensergotik, Jesuitenba rock und ähnliche. In einer kurzen Einleitung bringt der Autor zunächst eine relativ unvollständige und unge ordnete Darstellung der Entwicklung und Ge schichte des christlichen Ordenslebens, genauer gesagt des Mönchtums. Auch in einem so knap pen Überblick sollten wichtige Reformbewegun gen, strukturelle Entwicklungen, deren Anlässe, neue Zielsetzungen, ihre Spiritualität und die tat sächliche Realisierung dieser Ideale nicht fehlen. Hier wäre der Platz gewesen, den scheinbaren Ge gensatz von Demut und Pracht zu durchleuchten. Denn besonders im Mittelalter führte die Demut, oder anders gesagt, die angesehene Disziplin ei nes Klosters zu großzügigen Schenkungen und damit zu einem beachtlichen wirtschaftlichen Reichtum. Neben bescheidensten persönlichen Ansprüchen der Ordensleute schufen oder erwar ben sie kostbare Kunstwerke, die für den Gottes dienst, dem ureigensten Ziel des Ordenslebens, gerade gut genug waren. Ahnliches folgt unter dem Titel „Weitere Orden in Österreich' als Ab schluß des Buches, ebenfalls nicht systematisch geordnet, unübersichtlich und unvollständig. Hier wäre interessant gewesen, wo und wie lange deren Niederlassungen bestanden bzw. bestehen und welche kulturhistorische Bedeutung sie erlangt haben. Wie das Inhaltsverzeichnis verrät, werden aus der österreichischen Ordenslandschaft nur die bestehenden Stifte der Benediktiner, Zister zienser, Augustiner-Chorherren und Prämonstratenser und von diesen wiederum nur eine Aus wahl vorgestellt. Da fehlen die Bettelordensklo ster, die aufgehobenen Stifte und die großange legten jesuitenkollegien, deren Kulturpflege und Kunstschaffen nicht weniger bedeutend waren. Warum haben sich die Stifte wie Herzogenburg, Göttweig, Seitenstetten, Reichersberg und Schlier bach u.a. für dieses Buch nicht „qualifiziert"? Auch die Beschränkung auf Kloster- und Bauge schichte und Topograhie des heutigen Baubestan des - mit manchmal falschen Daten - wird der „Pracht" der Stifte nicht gerecht. Wo bleiben die li turgischen Geräte, Paramente, Pretiosen, Buchma lerei, naturhistorischen Sammlungen und die ebenfalls nicht wegzudenkenden Gartenanlagen, Wallfahrtskirchen, Pfarrhöfe, Meierhöfe, Stifts häuser in den Städten u. dgl.? Von der Repräsen tation der Prälaten zu reden, wäre ebenfalls ange bracht gewesen. Unverzeihlich ist, daß das Som merrefektorium des Stiftes St. Florian, der wich tigste Repräsentationsraum des Konvents mit ei ner dementsprechenden künstlerischen Ausge staltung, nicht erwähnt wird. Wer sich eine Be handlung der theologischen Programme von Bau und Ausstattung der Klöster erwartet hätte (siehe Buchtitel), wird ebenfalls enttäuscht. Recht eigenartig scheint mir auch die Aus drucksweise, wenn z. B. von der „seltenen Konti nuität" des Stiftes St. Paul (S. 72) die Rede ist, das bekanntlich 1787 aufgehoben und 1809, also nach 22 Jahren, von Benediktinern aus St. Blasien - diese hatten sich vorübergehend in Spital am Pyhrn aufgehalten - wieder besiedelt worden ist. Obwohl der Autor gerne lateinische Zitate ge braucht, spricht er beharrlich von den Regeln des hl. Benedikt (lat.: regula, -ae /.). Wie sollte sich der

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