OÖ. Heimatblätter 1992, 46. Jahrgang, Heft 4

währte Organisation und Vorbereitung durch Mitarbeiter des ABIL mittlerweile bestens einge führt, genießt deshalb bei Konzertpublikum, In terpreten und Musikwissenschaftern hohes Anse hen und wäre aus dem Programm des jährlichen Brucknerfestes nicht mehr wegzudenken. Die Berichte bieten den vollen Wortlaut der einzelnen Referate, eine Zusammenfassung der manchmal sehr umfangreichen und ergiebigen Schlußdiskussionen, Register der Personen, Orte, Institutionen und der zitierten Werke Bruckners; sie sind heute unersetzliche Werke der BrucknerLiteratur, - Da soeben der Symposionsbericht 1988 - durch einige drucktechnische Probleme et was verspätet - erschienen ist, soll nun die Vor stellung der gesamten Reihe, eine der vier ABILPublikationsreihen (vgl. OÖHbl. 44 [1990], 72 ff., 350f.; 45 [1991], 102f., 193; 46 [1992], 279) mit ei nem Rückblick über die zehn Symposia nachge holt werden. Innerhalb der Symposionsthemen sind meh rere Schwerpunkte zu erkennen. Die Themen von 1977, 1980 und 1988 sind auf die Persönlichkeit und Arbeitsweise Bruckners ausgerichtet. 1977 kam der kritische, an sich selbst zweifelnde, sich allmählich als Künstlerpersönlichkeit festigende Bruckner zur Sprache. Franz Grasberger stellte ein richtungweisendes Referat „Anton Bruckner zwi schen Wagnis und Sicherheit" an den Beginn. Den Versuch, rund 80 Jahre nach dem Tod Bruckners ein Psychogramm zu erstellen, unternahm kein Geringerer als Erwin Ringel, und ein Graphologe kommentierte Bruckners Schriftbild. Das Sympo sion 1980 ging auf die von Bruckner bei vielen Werken - vor allem bei den Symphonien - vorge nommene Überarbeitung bzw. Neufassung ein. Daß Ausdrücke wie Original-, Erst-, Druck-, Ideal-, Letzt-Fassung keine wissenschaftlichen Wortklaubereien sind, konnte man sich z.B. an hand der Aufführungen von Bruckners 3. Sym phonie in der ersten und dritten Fassung von zwei verschiedenen Orchestern unter zwei verschiede nen Dirigenten an einem Abend vergewissern. Die Rezeption des Werkes stand 1981 und 1982 auf dem Programm. Beim Symposion 1981 hatten zehn zeitgenössische Komponisten - dar unter Helmut Eder, Fridolin Dallinger und der ei nige Zeit in Linz tätig gewesene Robert Schollum - als Vertreter des heutigen Symphonieschaffens mit ihren Selbstdarstellungen neben vier wissen schaftlichen Referenten das Wort. Zum Thema „Bruckner-Interpretation" (1982) waren einige re nommierte Brucknerinterpreten als Referenten ge laden, was einen fruchtbaren Gedanken- und Er fahrungsaustausch von Interpreten, Musikkriti kern und Musikforschern ergab. Einem weiteren größeren Themenkomplex gehören die Symposien 1983, 1984, 1986 und 1987 an: Bruckners Beziehungen zu zeitgenössi schen Komponisten, die Ausstrahlung seiner Werke und seine Eigenständigkeit. Das Sympo sion 1983 erörterte eingehend Gegensätzliches und Ahnliches in den Persönlichkeiten und im Schaffen von J. Brahms und A. Bruckner. 1984 be faßte man sich nicht nur mit dem Freundschafts verhältnis Bruckner - Wagner und mit dem damit verbundenen Ausdruck in den Kompositionen, sondern auch mit deren stilistischen und mitunter auch ideologisch nahestehenden Zeitgenossen. Das Symposion 1986 - ein Gedenkjahr für Bruck ner, Liszt und Mahler - führte diese Thematik fort, um im Symposion 1987, das die Epoche bezeichnung Romantik in ihrer Vielschichtigkeit stilistischer Eigenarten im Bereich von Kunst-, Li teratur- und Musikgeschichte darlegte und Bruck ners Standpunkt in dieser mehr als ein Jahrhun dert dauernden Epoche suchte, abzuschließen. Die von Mitarbeitern des ABIL und zwei un garischen Referenten 1983 und 1984 in Budapest gehaltenen Vorträge weisen keine gemeinsame Thematik auf. Anläßlich des 200jährigen Diözesanjubiläums ging man beim Symposion 1985 den vielschichten Verbindungen, in denen Bruck ner als Kirchenmusiker stand, nach. Auf Einla dung des deutschen Kollegs S. Maria dellAnima in Rom referierten im Rahmen eines geistlichen Vokalkonzertes wiederum Mitarbeiter des ABIL über das kirchenmusikalische Schaffen Bruck ners. 1988, im 10. Bestandsjahr des ABIL, konnte das 10. Symposion stattfinden. Auch wenn dies ein Anlaß zu einem Rückblick auf die beacht lichen Leistungen, vor allem die Aufbauarbeit, ge wesen wäre, konzentrierte man sich auf die zu künftigen Aufgaben und Planungen, die auf das Brucknerjahr 1996 ausgerichtet sind. Das Sympo sion befaßte sich mit einer für die Persönlichkeit Bruckners sehr bedeutsamen Tätigkeit, seinem Lernen und Lehren, angefangen bei seiner Volks schulzeit, in der er bereits auch zur Lehrtätigkeit herangezogen wurde, seiner Karriere als Volks schullehrer, seiner zielorientierten und kritischen musikalischen Weiterbildung bis zum Lehrer am Konservatorium und Universität, seinem höch sten Ziel. Da Bruckner keine „Schule" im eigent-

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