OÖ. Heimatblätter 1992, 46. Jahrgang, Heft 4

von Eduard Samhaber, Bauwerke, Handwerk so wie Originale und Persönlichkeiten. Den Autoren oblagen die Recherchen, aus der heimatkundlichen Literatur Interessantes zu sammenzustellen. Beiträge verschiedenster Zeit genossen sind wörtlich wiedergegeben. Das Zitie ren dieser Quellen ist zum Teil ungenau, doch wird auf dieses Manko bereits im Vorwort hinge wiesen: „So soll auch diese Sammlung von Zita ten und Bildern aus ,einem Jahrhundert Freistadt' das Empfinden und ganz unwissenschaftlich das Gemüt ansprechen, soll ein Wegweiser für unsere Wanderung in die Vergangenheit sein." Für ein ähnliches Werk in dieser Richtung wäre anzumer ken, daß der Leser die Urheber der verschieden sten zeitgenössischen Beiträge in einer Kurzbio graphie vorgestellt bekommt. Es ist höchst interessant, in diesem Buch über Freistadt zu schmökern und über Menschen etwas zu erfahren, die in dieser Stadt lebten, im Krieg und Frieden, in Not und in Freude. Die alten Fotos beeindrucken auf eigene Art und Weise und las sen die Vergangenheit lebendig werden. „Es ist ein Wieder-Holen, ohne daß man sich ein Wiederho len der Ereignisse wünscht." Die Kleinverleger nehmen sich verstärkt der Aufarbeitung der Geschichte in den verschieden sten Publikationen an, und so ein gelungener Bau stein liegt nun vor: in Freistadt ansässig. Alexander Jalkotzy Manfred Capeilmann; Immer hab ich Rosen vor bereitet - Othmar Capeilmann - Der Dichter im Spiegel seiner Zeitgenossen. Steyr: Ennsthakr, 1992, 140 Seiten, S 148,-. ISBN 3-8506S-364-S Wilhelm Bortenschlager (Hrsg.): Literarisches Cafe, Puchberger Anthologie 6. Steyr: Ennsthaler, 1992, 256 Seiten, S 138,-. ISBN 3-85068-365-6 Der Ennsthaler-Verlag in Steyr besitzt eine fundierte Tradition in heimatkundlicher Richtung, etwa durch Nachdrucke alter Stadtgeschichten. Der einstige Lektor des Verlages und Herausgeber der „Gedanken"-Reihe, Othmar Capellmann, starb am 18. Mai 1982. Seine Biographie, Leben und Werk, schrieb Dr. Wilhelm Bortenschlager 1986. Die vorliegende Broschüre ist von Capeil manns Sohn Manfred als Ergänzung gedacht. Sie bietet eine Zusammenstellung von Kollegenaus sagen über diesen Dichterphilosophen. Da bei dieser Auswahl aus Briefen, Erinnerungen und Gelegenheitsgedichten (sogar eine Vertonung) über die Mitstreiter, die sich zu Othmar Capeil mann äußern, auch biographische Notizen voran gestellt werden, wird dieser Band zu einem auf schlußreichen Querschnitt über eine unseren Ta gen vorausgehende Dichtergeneration von Felix Braun bis Marlen Haushofer, wobei auch Musiker wie Otto Siegl und Künstler wie Sepp Gamsjäger miteingeschlossen werden. Bezwingend ist, wie diese zu Unrecht vergessenen, um nicht zu sagen beiseite geschobenen Autoren plötzlich im Glanz ihrer unterschätzten Bedeutung aufleuchten. Al lein schon dadurch, daß sie sich in freundestreuer Sprache zu Wort melden, wird die wahre Bedeu tung ihres einstigen Verlagsmentors unumstöß lich bewußt. Mit Genugtuung findet man z.B. in diesem Konvolut einige Seiten von Veronika Handlgruber-Rothmayer aus Haidershofen; ebenso den Sprachpfleger Josef Viktor Stummer. Die Spannweite des Ennsthaler-Verlages er gibt sich jedoch aus einer Gegenüberstellung die ses Erinnerungsbuches mit der im gleichen Jahr erschienenen Puchberger Anthologie 6, die unter dem Titel „Literarisches Cafe" die jüngste heimi sche Schriftstellergeneration zur Begutachtung antreten läßt; jene also, die - nach eigener Einlei tung - das Scheitern zur Maxime erklären. In die sem 253 Seiten starken Querschnitt stellen sich meist oberösterreichische Autorinnen und Auto ren vor, spulen auf verschiedenste Art ihre Gedan ken ab und kommen damit lesenswert ihrer über nommenen Verpflichtung, entscheidende Aussa gen zu vermitteln, nach. Eine solche Schriftsteller parade reizt gleichermaßen den Leser, dazu Stel lung zu nehmen; schließlich befinden sich unter den Auserwählten die beiden Sprecherinnen der Interessengemeinschaft oberösterreichischer Au toren: Rotraud Maria Arbes und Elisabeth Praher. Die Kommunikation zwischen Autor und Le ser ist allerdings die kranke Stelle in der gegen wärtigen Literaturkrise. Im Grunde genommen er füllen die Schriftsteller ihre Pflicht, stellen sich, und wie der Band zeigt, sogar mit offenem Visier, denn sie nehmen alles Risiko, das mit einer selbst bewußten Zeitinterpretation verbunden ist, auf sich. Doch der Ring schließt sich erst mit der Re aktion des Lesers. Eine erste Antwort liegt bereits in den stattgefundenen Veranstaltungen: Das „Li terarische Cafe" hat es seit 1973 auf 32 Zusam mentreffen zwischen Autoren und „Konsumen ten" gebracht.

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