OÖ. Heimatblätter 1992, 46. Jahrgang, Heft 4

geben. Äußerst interessant mutet es an, daß bereits 1910 eine Planstudie für ein „Freiluftmuseum" auf dem Linzer Frein berg vorlag. Das Projekt wurde nie ver wirklicht. Es sollte sich dabei um ein „Österreichisches Freiluftmuseum" han deln, wie Prof. DDr. Viktor fierbert Pött ler, Direktor des österreichischen Frei lichtmuseums Stübing bei Graz, anläß lich einer Vortragsreihe zum Thema „Freilichtmuseen und Denkmalhöfe. Aufgaben und Ziele" - als einbeglei tende Veranstaltung zum „Tag der OÖ. Freilichtmuseen" - ausführte. Die Freilichtmuseumslandschaft in Oberösterreich unterscheidet sich weit gehend von der anderer Bundesländer. Während etwa für das „Österreichische Freilichtmuseum" in Stübing bei Graz oder das „Salzburger Freilichtmuseum" in Großgmain die Objekte abgetragen, zum Freilichtmuseumsstandort gebracht und dort wieder originalgetreu aufge baut werden, so sind die Freilichtmuseen in Oberösterreich in situ belassene Denkmalhöfe, die von einen musealen Trägerverein betreut werden. Die Frei lichtmuseen in Oberösterreich bleiben in ihr natürliches Umfeld eingebettet. Museal genutzte Denkmalhöfe bäu erlicher Architektur sind ein Vierkanthof des Zentralraumes (Freilichtmuseum Sumerauerhof in St. Florian bei Linz mit Bauernmöbelausstellung und Getreide kasten-Lehrpfad), ein Mittertennhof des oberösterreichischen Seengebietes (Frei lichtmuseum Mondseer Rauchhaus), ein Paarhof aus dem Salzkammergut (Frei lichtmuseum Anzenaumühle, Bad Goisern), ein Vierseithof aus dem Hausruck viertel (Freilichtmuseum Stehrerhof, Neukirchen a. d. Vöckla), ein Dreiseithof mit zugebautem Getreidekasten aus dem Mühlviertel (Freilichtmuseum Pelmberg, Hellmonsödt) und ein Vier seithof aus dem oberen Mühlviertel (Denkmalhof Unterkagerer, Anberg). Das Hausgewerbe ist in der Ham merschmiede Bad Wimsbach-Neydharting und in der bereits erwähnten An zenaumühle anzutreffen. Die Industriekomplexe der Sensen gewerken sind in der Region PyhrnEisenwurzen beheimatet, Vertreter da von gibt es in Micheldorf und in Scharnstein zu besichtigen. Die Mühlviertier Museumsstraße bietet einen Einblick in die historische Arbeitswelt der Region Freistadt-Frei wald und in die Verarbeitung traditionel ler Werkstoffe wie Holz, Eisen, Leinen und Glas. Schmieden und Sägen sind vor allem um Windhaag bei Freistadt an zutreffen. Beim urgeschichtlichen Freilichtmu seum Mitterkirchen handelt es sich um Nachbildungen hallstattzeitlicher Ge höfte nach Befunden archäologischer Grabungen in Mitterkirchen. Zehn Freilichtmuseen und Freilicht museumsobjekte entlang der Mühlviert1er Museumsstraße machen es möglich, sich auf die Spuren der oberösterreichi schen Volksarchitektur vergangener Jahrhunderte zu begeben. A.J.

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