OÖ. Heimatblätter 1992, 46. Jahrgang, Heft 4

13. September: 19 Stück böhmische Wallfahrer aus Wodrian behalten. 2. Oktober: Der Heurafl Hochzeit gehalten, recht launig gewesen. 15. Oktober: Der Hammermüller (Friedrich Schwarz) Hochzeit gehabt. Bruno dabei Brautführer. Leute zum Er drücken. I. November: 700 Heiligen-Wekken" ausgegeben. II. November: Kirchtag in Zwettl, viel Vieh gewesen; fast alles verkauft worden, sehr viel Leute gewesen. Kein Geld und kein Bier gehabt. Statt der Martinigans einen weißen Hahn gebra ten. 13. November: Der Kern-Toni-Michl (Schiesser) sein 3. Weib begraben. Im November über Nacht behalten: 2 Handwerksburschen (1 Weber, 1 Taglöhner). 20. Dezember: Die Stützenmühle ist verlicitiert worden. Der HammermüllerHans hat sie gekauft um 9305 fl. (Der Vorbesitzer mußte in eine Wohnung zie hen.) 24. Dezember: Der Scherb-Lois ein gegraben worden. Wer wird denn jetzt beim Scherb Duinheiten machen? Und die Buben können auch nicht mehr schreien: „Kafts Päln, a Päln, a Päln; da Scherb-Lois is ön Bäh g'fälln!" Die Hauschronik spiegelt das Leben der Familie in verschiedenstartigen Le benssituationen wider; es wird darüber hinaus aber auch das örtliche Geschehen in chronologischer Reihenfolge abge handelt. Brauchtumsanlässe werden ge nauso beschrieben wie die Sozialstruk turen der Gemeindebewohner, landwirt schaftliche Tätigkeiten, Katastrophen, Verbrechen, Unglücks- und Sterbefälle. Aus den ab 1878 meistens monatlich ein getragenen Angaben über die vielen Per sonen, die im Hochmaierhof (vermutlich in der Scheune) übernachteten (zum Bei spiel 120 im Jahre 1880), läßt sich unter anderem eine Liste von heute seltenen oder nicht mehr bestehenden Berufsbe zeichnungen zusammenstellen, zum Bei spiel „Fürkäufler" (Männer oder Frauen, die bei den Landwirten Butter und Eier für den Weiterverkauf abholten), „Sag feiler" (Sägeschärfer), „Rastlbinder" (Siebmacher, Kesselflicker), Taschner, Guckkastenmann, Geschirrleute, Glastrager, „Hadernmann" (Alttextilien sammler), Strumpfwirker, Baumwoll spinner, Korbflechter, Bürstenbinder, Porzellan-Galanterie-Arbeiter, Regen schirmmacher, „Posamentierer" (Borten hersteller), Pfeifenmacher, Kammacher, Diurnist (Schreiber von Tagesberichten oder auch „Taglöhner"), Feilenhauer, Rie mer, Büchsenmacher, Hutmacher, Krä mer, Gänsetreiber, Zinngießer, Mühlzu richter, Schwell- oder Teichgraber. Da ferner die wichtigsten personellen Ände rungen im Marktbereich wie Bürgermei sterwahl, Pfarrer- und Lehrerwechsel etc. verzeichnet wurden, bildet diese Haus chronik einen wertvollen Beitrag zur Marktgeschichtsschreibung. Ab dem Jahr 1889 wurden die Eintra gungen in der Hauschronik spärlicher. Erst die jetzige Besitzergeneration mit ih ren Kindern beschäftigt sich wieder in tensiver mit der Hauschronik. Die familien- und hausgeschichtliche Entwick lung sowie sonstige informative Details sind in der von Bruno Pammer jun. im Winter 1988 angelegten „Haus-, Hofund Familienchronik" genau geschildert. Josef Mittermayer " Weißbrote, die zu Allerheiligen besonders an bedürftige Leute verteilt wurden.

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