Im November 1944 wies der Bürgermeister von Garsten, Anton Brandner,^^ dem Meierhof Flüchtlinge zu, und zwar zwei Frauen, zwei Kinder und einen Mann, dazu noch ihre zwei Pferde. Der Mann sollte pro Tag drei Reichsmark erhalten sowie Verpflegung für sich und die Pferde. Wirtschafter Leopold Felberbauer wandte sich an Lugstein und bat um entsprechende Anweisungen. Der Flüchtling erwies sich als ordentlich und fleißig, doch die kleinwüchsigen Pferde konnten zu keiner Arbeit, außer zum Milchführen, verwendet werden.^^ Auch Soldaten wurden damals einquarhert. Eine Abteilung der Wehrmacht, drei Pferdepfleger mit sechs Pferden, war auf Weisung der Gemeinde sechs Monate lang auf dem Garstener Meierhof untergebracht und mußte ernährt werden. Schließlich wurde hier zeitweilig auch noch eine „Vernebelungstruppe" stationiert.^^ Der Hof war außerdem ablieferungspflichtig. So mußte eine bestimmte Menge Heu an die Artilleriekaserne in Steyr und Weizen, Roggen und Kartoffeln aber an die Genossenschaft Garsten abgeführt werden. Außerdem waren für verschiedene kriegswichtige Stellen, wie für die Luftgau-Dienststelle, den Milchhof Garsten, das Landwirtschaftliche Lagerhaus Garsten, die Gemeinde Garsten und für verschie dene Firmen Fuhrwerksdienste zu leisten.^® Trotz der Interventionen Lugsteins, die auch vom Reichsstatthalter von Nie derdonau unterstützt wurden, wurde Ende 1944 der Telefonanschluß zum Reichsdo mänenhof und Forstamt Garsten zugunsten kriegswichtiger Unternehmen aufgeho ben.^^ Das bedeutete für Lugstein eine große, zusätzliche Belastung. Anfang 1945 wurde es für ihn immer schwieriger, seinen Aufgaben als Verwalter gewissenhaft nachzukommen. Seine Besuche in Garsten waren oft beeinträchtigt, weil der Zugs verkehr damals schon im argen lag. Er mußte häufig große Verspätungen in Kauf nehmen und hatte, da er noch am selben Tag nach Linz zurückfahren mußte, oft nicht genügend Zeit, um die notwendigen Informationen einzuholen.^^ Das Gut in Gleink wurde während der NS-Zeit veräußert und in seiner Sub stanz zerstückelt.^® ' Anton Brandner, geb. 12. Juni 1908 in Pregarten, gest. 22. Mai 1980 in Garsten, Bürgermeister von Garsten 1942-1945. (Freundl. Mitteilungen des Gemeindeamtes Garsten u. des Pfarramtes Garsten.) ' DAL, CA/10, Sch. 70, Fase. Ulla, 3, Dotationsgüter, Religionsfondsvermögen 1940-1945, Brief Felberbauers an Lugstein (Garsten, 24. November 1944). ' Ebd., Brief Lugsteins an Fernsprechamt Linz (Linz, 25. September 1944). DAL-CA/11, Sch. 66, Fase. II, Bistum und Konsistorium Ulla, Bistum, Bischöfliche Dotationsgüter Garsten und Gleink, 1946,19471961, Brief des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft (Z. 11.518-II/5/46), Landwirtschaft liche Betriebskarte, Juli 1946. ' DAL, CA/10, Sch. 70, Fase. Ulla, 3, Dotationsgüter, Religionsfondsvermögen 1940-1945, Bericht von J. Radner an Lugstein (Aufstellung des Viehstandes in Garsten vom 24. Oktober 1941); ebd.. Durch schlag eines Briefes Lugsteins an Fernsprechamt Linz (Linz, 25. September 1944). ' Ebd., Brief des Fernsprechamtes Linz an Verwaltung der bischöflichen Dotationsgüter in Garsten (Linz, 13. September 1944); Brief Lugsteins an Fernsprechamt Linz (Linz, 25. September 1944); Brief des Reichsstatthalters in Niederdonau (Wien, 5. Oktober 1944); Konzept eines Briefes des B. O. L. (Lugstein) an Postdirektion Steyr (Linz, 5. Juli 1945). ' Ebd., Durchschlag eines Briefes Lugsteins an Reichsstatthalter (Linz, 2. Februar 1945); Mitteilung Katharina Leibetzeder (Linz). ' Freundliche Mitteilung von Direktor Dr. Josef Wöckinger (Linz).
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