Eines Tages funktionierte die Wasserleitung nicht mehr, mit der 32 Personen, 36 Rin der, vier Pferde und 28 Schweine täglich versorgt werden mußten. Der Schaden wurde notdürftig behoben, doch bestand die Gefahr einer abermaligen Störung. Für die Beschaffung der nötigen Wasserleitungsrohre waren damals Eisenscheine not wendig, deren Zuteilung gewöhnlich zehn Monate dauerte. Der Wirtschafter Johann Radner hatte sich wiederholt bei der Kreisbauernschaft Steyr um solche Scheine bemüht, war aber immer wieder abgewiesen worden. Nun wandte sich Lug stein 1943/44 mehrmals an den Reichsstatthalter in Niederdonau, Dr. Hugo Jury,^' und bat um Intervention. Nach einer Baubesichtigung wurden die erforderlichen Scheine bewilligt.^'' Bald gab es auch Schwierigkeiten bezüglich des Personals. Immerhin muß ten in Garsten von 70 ha Gesamtfläche 67 ha bewirtschaftet und vier Pferde, zehn Schweine, acht Läufer und 34 Kühe mitsamt den Stieren und einem Stück Jungvieh betreut werden. Wohl waren 1944 in Garsten noch acht Personen ständig am Reichs domänenhof beschäftigt, außerdem arbeiteten dort noch vier kriegsgefangene Fran zosen, und während der Erntezeit kamen durch drei Monate hindurch noch täglich vier Taglöhner, doch Ende Juli 1944 wurde der Wirtschafter Johann Radner plötzlich zum Wehrdienst einberufen. Die Kreisbauernschaft wies zwar einen neuen Wirt schafter, Johann Feibauer zu, dieser hatte aber, obwohl er guten Willens war und sein Bestes gab, keine fachliche Vorbildung und konnte so seinen Vorgänger nur schwer ersetzen. Lugstein machte den Reichsstatthalter darauf aufmerksam, daß mit einem Absinken der Leistung des Hofes zu rechnen sei. Trotzdem wurde auch noch Johann Feibauer zum Wehrdienst eingezogen und vorerst nicht ersetzt. Außerdem verließ damals die langjährige Wirtschafterin Anna Gottinger wegen der Hilfsbe dürftigkeit ihrer Geschwister den Hof, ebenso die tüchtige Magd Rosa Gföllner.^^ Als das Kraftwerk Staning errichtet wurde, mußte der Bauer Josef Gruber umgesiedelt werden. Als Ersatz für seinen Hof (ca. 15 ha) sollte er den sogenannten Bertholdhof, der zum Reichsdomänengut gehörte, samt der sogenannten Lohner- " Dr. Hugo Jury, Facharzt für Lungentuberkulose und nationalsozialistischer Politiker, geb. 1887, gest. 1945, Gauleiter und Reichsstatthalter des Reichsgaues Niederdonau 1940-1945. Vgl. dazu H. Slapnicka, Oberösterreich - als es „Oberdonau" hieß, 466. Da einige Gründe des Dotationsgutes Garsten in Niederösterreich lagen, war Dr. Jury zuständig. DAL, CA/10, Sch. 70, Fase. Il/la, 3, Dotationsgüter, Religionsfondsvermögen 1940-1945, Durchschlag eines Briefes von Bischof Fließer an Reichsstatthalter in Niederdonau (Linz, 10. Mai 1943); ebd., Durchschläge von Briefen Lugsteins an Reichsstatthalter in Niederdonau (Linz, 22. September 1944 und 19. November 1943); ebd., Brief des Reichsstatthalters von Niederdonau an B. O. L. (Wien, 4. Juni 1943). Ebd., Durchschläge von Briefen Lugsteins an Reichsstatthalter in Niederdonau (Linz, 23. August 1944, 22. September 1944 und 29. August 1944); ebd., Konzept eines Briefes Lugsteins an OstmarkVersicherungs-AG in Linz (Linz, 5. Jänner 1942); ebd.. Durchschlag eines Briefes von Bischof Fließer an Anna Gottinger (Linz, 7. Juni 1944); ebd.. Durchschlag eines Briefes Lugsteins an Arbeitsamt Steyr (Linz, 31. Jänner 1945); ebd., Aufstellung des Viehbestandes in Garsten vom 24. Oktober 1941 (Be richt Johann Radners an Lugstein). DAL, CA/11, Sch. 66, Fase. II, Bistum und Konsistorium Ulla, Bi stum, Bischöfliche Dotationsgüter Garsten und Gleink, 1946, 1947-1961, Durchschlag eines Briefes Lugsteins an Landes-Ernährungsamt in Linz (Linz, 18. Jänner 1946).
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