daß die Dynamik der Fische im Gewässer generell schwer zu erfassen ist und der Fischer immer erst drei bis vier Jahre nach dem Einsatz der Fische, nämlich dann, wenn sie ins Netz gehen, anhand der Ausfangsquoten Angaben über den Zustand der einzelnen Populationen machen kann. Neben all den genannten Veränderungen des Mondsees, die durch direkte und indirekte Tätigkeiten des Menschen bisher hervorgerufen wurden, ist der Tou rismus von vorrangiger Bedeutung. In seiner modernen Form hat er ein Ausmaß an Massenhaftigkeit angenommen, die für den See, seine Fische und Fischer bereits bedenklich wird; 400 parkende Autos an einem schönen Wochentag im Strandbad Loibichl, 27 wild kampierende Wohnwagen zwischen Plomberg und Scharfling, 300 Surfer zwischen Kreuzstein und See, zahllose Fahrten von Wasserski-Motorbooten, Diebstahl nicht nur von Fischen aus den Stellnetzen, sondern auch die Netze selbst werden gleich als Beute mitgenommen. Der Massentourismus kann sicherlich als Streßfaktor Nummer eins für den See betrachtet werden. Unkontrollierte Abfälle jeglicher Art, Lärm - die Fische verschwinden. Vorübergehend? Neben diesen Erscheinungen der künstlichen Veränderung des Mondsees machen sich die natürlichen vergleichsweise harmlos aus. Schwankungen im Fisch bestand hat es schon immer gegeben, sie sind seit Jahrhunderten beobachtet wor den. Auch ganz neue Ereignisse traten auf, wie die Einwanderung der Dreikantmu schel (Dreissena polymorpha), die im Jahre 1975 zum ersten Mal im Mondsee beob achtet wurde. Seitdem hat sie sich derart massenhaft entwickelt, daß sie den See boden in großen Flächen bedeckt und die vorher ansässige Teichmuschel (Anodonta sp.) weitgehend verdrängt hat. Daneben haben die Bläßhühner (Fulica atra) und Stockenten (Anas platyrhynchos) an Zahl zugenommen. Doch sie helfen eher, die Plage der Dreikantmuscheln zu reduzieren, jedenfalls im Uferbereich. Auch die Verschlammung des Gewässers unterliegt Schwankungen. Diese rühren her von den Abschwemmungen aus dem umgebenden Wassereinzugsgebiet und hängen ab von der Menge der Niederschläge, fiinzu kommt, daß in der Jahres zeit mit erhöhtem Algenwachstum deren Stoffwechselaktivität in Verbindung mit den chemischen Wassereigenschaften die sogenannte biogene Ausfällung von Kalk hervorruft. Dieser Kalk trübt den See milchig grau und setzt sich als feiner Schlamm auf die Netzfäden. Dann fangen die Fischer weniger, weil die Fische die Netze erken nen und ihnen ausweichen. Das gilt besonders für die Reinanken. Die Brachsen hin gegen sehen nicht so gut und gehen auch in das schmutzige Netz. Jedenfalls müssen die Netze täglich gespült werden - dann ist der Fang besser. Das war früher, in den zwanziger, dreißiger Jahren, auch schon so. Empfehlungen Um den Ertragsreichtum des Mondsees und seine natürliche Schönheit nicht weiter zu opfern, schlagen die genannten Berufsfischer verschiedene Maßnah men zum Schutz des Gewässers vor. Dazu sollte ein generelles Verbot von Motor booten (ausgenommen Berufsverkehr), keine weiteren Uferverbauungen, kein wil-
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