Zugnetzstrickens verschwunden. Die heutige Fangmethode ist die der Stellnetz fischerei, gelegentlich unterstützt durch Elektrobefischung. Parallel mit den Veränderungen in der Berufsfischerei greift der Tourismus in die sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen ein. Die Zahl der Sportfischer erhöht sich laufend, mehr und mehr werden die Fische mit der Angel statt mit dem Netz gefangen. 1988 wurden zirka 300 Jahreslizenzen vergeben. Hinzu kommen in den letzten Jahren durchschnittlich 1.400 Personen, die mit einer kurzfristigen Lizenz (zwischen 1 Tag bis 1 Monat) am See angeln. Sie alle finden ein Gewässer vor, das seit den vergangenen dreißig Jahren erheblichen Veränderungen unterworfen war. Allen voran, als seeinterner Vorgang, ist die Eutrophierung zu nennen. Sie führte 1968/70 zu der erschreckenden Massenentwicklung der Burgunderblutalge, Oscillatoria rubescens, die sich in solchen Mengen vermehrte, daß die Fangnetze damit vollkommen bedeckt waren und nur noch schwer hantiert werden konnten. Die Fangerträge gingen zurück. Die Fischer erlitten ökonomische Einbußen. Gleichzeitig hatte die Eutrophierung einen vielfältigen Einfluß auf die Fisch fauna. Wie auch in anderen Seen, die eutrophierten, nahmen die Weißfische zu, an Individuenzahl wie auch an Körpergröße. Rußnase, Rotauge, Rotfeder und auch der Barsch erreichten Körpergrößen, die es früher nicht gegeben hatte. Die Lauben fing man bis dato mit 22 mm Maschenweite, jetzt setzte man 24er- und schließlich 26erNetze zu ihrem Fang ein. Auch vergrößerte sich der Bestand der Weißfische derart, daß man heute die Zahl der Lauben und Rußnasen im See für weit höher einschätzt als die der Reinanken/Maränen. Um die Zahl der Weißfische zu dezimieren, hat man den Besatz mit Raub fischen erhöht. Doch gilt dieser Versuch als fehlgeschlagen, denn der Wiederfang an Raubfischen ist nicht größer geworden. Deutlich ist jedoch, daß seit dem Funktionieren der zentralen Abwasserreini gung und der damit verbundenen Verringerung an Nährstoffen im See wiederum eine Änderung in den Fischpopulationen erkennbar ist: der Abwachs geht nicht mehr so schnell wie zu den Zeiten der intensivsten Eutrophierung. Der Barsch bei spielsweise ist heute verhüttet. Und so regt sich unter den Fischern die Sorge, daß der See ausgehungert werden könnte. Doch dafür gibt es keine Indizien. Die Rein anken sind nicht magerer als früher; und auch die wichtigsten Nährtiere im See, das Zooplankton, ist nach wie vor in großen Mengen vorhanden. Zwar fängt man hin und wieder einen Fisch mit verkrümmter Wirbelsäule oder verkürzter Körperlänge, auch gehen gelegentlich Reinanken ohne Untermaul ins Netz, doch Nahrungsman gel ist sicherlich nicht die Ursache für diese Defekte. Ein weiteres Ereignis hat einen tiefgreifenden Einbruch in die Biologie des Mondsees bedeutet. Das waren der Bau der Autobahn (1961 bis 1964) und der Bun desstraße rings um den See (1958 bis 1961). Dadurch wurden große Teile des See ufers aufgeschüttet, die Schilfbestände vernichtet, Laich- und Lebensräume für die Fische zerstört. Diese Wirkung auf die Fischfauna ist nicht direkt nachgewiesen, wird jedoch als schwerer Einbruch in die Bestände angenommen. Ein anderes Ereig-
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