Künstliche Erbrütung Um den natürlichen Verlust an Fischen zu kompensieren und den steigenden Fangbedarf zu decken, hat man die Methode der künstlichen Erbrütung entwickelt. Für das Salzkammergut war zunächst die Teichwirtschaft Heidenreichstein (Wald viertel) der Lieferant. Von hier aus wurden die Setzlinge zu den einzelnen Seen gelie fert. Später, in den Jahren 1948/50, wurde dann in Scharfling am Mondsee unter der Leitung von Prof. Linsele die heutige Bundesanstalt für Fischereiwirtschaft errichtet und mit ihr die Fischerbrütungsanstalt Kreuzstein verknüpft. Der Bau dieses neuen Zentrums für die Lrbrütung und Aufzucht von Fischen wurde im Zusammenhang mit der Technisierung der Vermehrung der Fische und dem Bedürfnis nach mehr Management der Seenfischerei unter besserer Ausnutzung der natürlichen Produk tivität des Gewässers getätigt. Gewiß, die Technik der künstlichen Vermehrung der Fische war nicht neu. Schon in den zwanziger Jahren hatte man damit begonnen, Mutterfische abzustreifen und die Aufzucht der Brut außerhalb des Sees zu bewerk stelligen. Dazu bediente man sich entsprechender Hälterungsanlagen, die in einzel nen Fischerhütten rings um den See verteilt waren. Diese hatten den Vorteil, daß die Temperatur des Wassers mit acht bis neun Grad Celsius gleichmäßig war und auch höher lag als diejenige des freien Wassers, wodurch die Entwicklung der Eier beschleunigt wurde. Diese Behandlung brachte jedoch wiederum den Nachteil, daß zum Zeit punkt des Besatzes nach Aufzehren des Dottersackes die Setzlinge im See nicht die Planktonmenge oder -art vorfanden, die für ihr Aufkommen notwendig war. Ver mutlich deshalb gingen sie in großen Mengen ein. Jedenfalls wurde nie eine annä hernd gleiche Zahl aus dem See herausgeholt, wie man hineingegeben hatte. Die größten Verluste wurden jeweils bei den Saiblingen registriert. Aufgrund dieser Erfahrung schenkte man den natürlichen Entwicklungsbe dingungen der Fische mehr Beachtung und ging zur Methode der Kalterbrütung über. Dazu wird das Quellwasser mit dem kälteren Bachwasser gemischt und somit die Entwicklung der Eier verzögert, bis man den Zustand abgewartet hat, wenn der See wieder sein gutes Nahrungsangebot im Frühjahr aufweist. Auf diese Weise wird der See seit vielen Jahrzehnten künstlich mit Maräne, fJecht, Seeforelle, Zander, Karpfen, Schleie und Saibling besetzt. Dabei ergab sich aus dem Verhältnis Rein anke - Maräne eine Problematik verschiedenen Verhaltens, die man dadurch ent standen glaubt, daß das Gewässer mit künstlich erbrüteten Fischen besetzt wurde, sei es, daß die Elterntiere der Setzlinge aus einem anderen Gewässer stammen und einer anderen lokalen Rasse mit anderen Verhaltensweisen zugehören, sei es, daß die Brut aus dem eigenen Gewässer stammt, jedoch nicht in diesem „zur Welt gekommen ist". Im ersten Fall beispielsweise wurde der Mondsee mit Maränenbrütlingen aus fieidenreichstein (norddeutsch-tschechischer Elerkunft) besetzt. Deren instinkti ves Verhalten läßt sie im November laichen, am Seeufer. Die ursprüngliche Mond see-Reinanke hingegen laicht im Januar, und dann im offenen Wasser zur Seemitte hin. Nun kommt es zu einer Vermischung der Populationen, zu einem genetischen
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