OÖ. Heimatblätter 1992, 46. Jahrgang, Heft 4

ein Kalenderdatum, sondern man richtete sich nach den Fischen selbst, wodurch zeitliche Schwankungen von ein bis drei Wochen auftreten konnten. Die laichreifen Fische wurden abgestreift, den Laich gab man zur Erbrütung in die Fischerhütten, die rings um den See standen. Die Brütlinge wurden dann wieder in den See gesetzt. Die Fischerei heute Eine tiefgreifende Veränderung in der Fischerei trat ein seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges und den nachfolgenden technisch-wirtschaftlichen Umwand lungen. Die Zahl der Fischer, die ihr Fischrecht ausübten, ging zurück. Die wach sende Motorisierung ermöglichte es, außerhalb des eigenen Ortes einen Arbeits platz mit höherem und sicherem Einkommen zu finden. Damit ging das Interesse an der erwerbsmäßigen Fischerei zurück, was zur Folge hatte, daß etliche Fischrechte nicht nur zum Erliegen kamen, sondern auch verkauft wurden. Selbst der Seenbesit zer hat Anfang der fünfziger Jahre die erwerbsmäßige Fischerei eingestellt. fJeute sind es noch acht Rechte, die ausgeübt werden. Es sind dies: Wesenauer, Daxner, Wendtner, Abel, Seehof, Reichl, Plötzeneder und Strobl. Ein großer Wandel trat nicht nur in der technischen Umstellung von Zug netz- auf Stellnetzfischerei ein, sondern auch in der natürlichen Situation des Fisch bestandes und den künstlichen Maßnahmen, den See mit ortsfremden Brütlingen zu besetzen. Hinzu kamen eingreifende Veränderungen des Mondseeufers, die durch künstliche Verbauung verursacht sind. Zunächst zur natürlichen Veränderung des Fischbestandes im Mondsee. Gewiß, es hat immer Veränderungen in einem Bestand gegeben. Teils sind es natürli che Schwankungen der Populationen, wie etwa die Bestandsdichten von Saibling und Reinanke, die als jeweils gegenläufig beobachtet werden. Teils entstehen sie durch Wechsel in der Intensität der Befischung der Gewässer. So ließ die Fischerei in Kriegszeiten nach, weil für diese schwere Arbeit weniger Männer zur Verfügung standen. Dann hatten die Fische eine lange Schonzeit, und ihr Bestand erholte sich. Bei den Reinanken blieb diese Erholung aus, obwohl die Weite der Fangmaschen auf 50 mm ausgedehnt wurde. Was die Bestandsdichten von Saibling und Reinanke im Mondsee angeht, so gilt die oben genannte Beobachtung heute nicht mehr. Der Saibling ist seit Ende der fünfziger Jahre aus mehreren Gründen so stark dezimiert, daß er vollkommen geschont wird. Die Pflege seiner Laichplätze hat man jedoch aufgegeben, weil die Arbeit zu kostenaufwendig ist und die Plätze zu schnell verschlammen. Die künstli che Erbrütung ist bis heute ohne Erfolg, weil man nicht über genügend Muttertiere verfügt, um die Bestandsdichte zu erhöhen. Auch über das Verlöschen der anderen genannten Fischarten weiß man keine eindeutigen Ursachen anzugeben.

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