OÖ. Heimatblätter 1992, 46. Jahrgang, Heft 4

Allen Arbeitern und Angestellten der Gräflichen Herrschaft Arco Valley wurden neben Lohn, Wohnung, Heizung, Milch, Lebensmitteln auch Grundstücke für eine oder mehrere Kühe, freie Hand- und Zugdienste zugestanden/' Auch aus Zipf wird berichtet, man habe sich die Futtermittel für die Haustierhaltung (Schwein, Ziege ...) von den zur Brauerei gehörenden Wiesen selbst beschaffen können. Werk zeug und Transportmittel wurden zur Verfügung gestellt. Jeder Innviertier Brauherr hat samt seiner historisch hohen sozialen Position auch Pflichten, die als selbstverständlich angesehen werden, solange sie gepflegt werden, und dann bemängelt, wenn sie wegfallen. Das soziale Umfeld gesteht ihnen ihren materiellen Vorsprung zu, verlangt jedoch karitative Leistungen und die tradi tionelle Pflege kultureller Aktivitäten als Gegenleistung. Eine Rieder Brauherrnfamilie hat sich mittels einer Armenschulstiftung in der Geschichte der Stadt verewigt. Das Brauhaus am unteren Platz „... war einst im Besitze der vornehmen und reichen Familie Wohlmayr, bekannt durch die groi?e Armenschulstiftung."^® In der Literatur sind noch weitere karitative Leistungen Innviertier Brauher ren verzeichnet: Zum Beispiel war 1844 ein Bräuer Gründungsmitglied eines „Kran ken-Liebes-Vereines" in Altheim, wo erkrankte Dienstboten des Marktes verpflegt und geheilt wurden/' hohe Spenden des Bierbräuers Georg Wieninger sowie einer Bierbräuerswitwe Baumgartner gingen 1872 an eine Kleinkinderbewahrungsanstalt in Schärding/° August Kapsreiter wird als Wohltäter im Zusammenhang mit Geld spenden zur Kleinrentnerhilfe im Jahre 1924 tituliert; beide Schärdinger Brauereien beteiligten sich 1932 an der Winterhilfsaktion, indem sie für Kinder einen Mittags tisch zur Verfügung stellten^^ usw. Überall im Innviertel gibt es bis heute die der Großzügigkeit der Geschäfts welt entspringenden örtlichen Verpflichtungen, daß zu gewissen Anlässen von der örtlichen Brauerei Freibier ausgegeben wird; eine Form von Spenden, die gleichzei tig den Vorteil einer Werbung für das jeweilige Produkt beinhaltet (Feste von Verei nen, Feuerwehr, Fußballklubs, vom Roten Kreuz usw.). Brauereisterben Es ist keinesfalls ein Innviertier Phänomen, daß das Kleingewerbe der Braue rei langsam ausstirbt, erdrückt vom hochindustrialisierten Konkurrenten, den gro ßen Aktiengesellschaften, kapazitätsmäßig dem auf Massenabsatz eingerichteten Handelsmarkt unterlegen, aber auch wissensmäßig in juristischen und wirtschaftli chen Fragen den Großunternehmern nicht gewachsen. Chronik von Aurolzmünster: Franz Lang, o. J. (Maschinschrift), S. 8. Franz Berger, Ried im Innkreis. Ried 1948, S. 177 ff. Vgl. 50 Jahre Markt Aspach. Aspach 1978, S. 71. S. Anm. 13, S. 220. Johann Ev. Lamprecht, Historisch-topographische und statische Beschreibung der k. k. landesfürstli chen Gränzstadt Schärding. 2. Theil. Schärding 1887, S. 134. Schärdinger Wochenblatt. 1924. Nr. I, S. 5, und 1932. Nr. 47, S. 5.

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ4MjI2