OÖ. Heimatblätter 1992, 46. Jahrgang, Heft 4

weise ausgeführte Holzaltar zeigt das Jüngste Gericht, flankiert von den Pestheiligen Sebastian und Rochus, darunter die Stifterfamilie König aus Fillmannsbach: der Brauherr, seine Gattin und ihre sechzehn Kinder. Auch Grabdenkmäler von Brauherrnfamilien des 20. Jahrhunderts stechen auf Friedhöfen hervor. Das Grabmal der Familie Kapsreiter überragt in Schärding alle anderen an Höhe und Breite, aus dem Marmor der eigenen Produktionsstätte gefertigt. In Höhnhart konkurrieren die drei traditionellen ortsansässigen Handwer kerfamilien um die eleganteste Grabgestaltung: Brauherr, Müller und Hammer schmiedemeister. Familiengrüfte, regelrechte Mausoleen, trifft man als Grabstätten oberösterreichischer Brauherren an. Jenes der Familie Schaup in Zipf stammt aus der Jahrhundertwende und steht an einem Waldrand bei Frankenburg. Sein schlechter Zustand berichtet von Uneinigkeiten der heute gespaltenen Brauherrnfamilie. In Neumarkt existiert noch solch ein Mausoleum an der Friedhofsmauer, in Raab ver schwand es mit dem Niedergang seiner Besitzer Schwarz. Begräbnisse von Brauherren waren feierliche und vielbesuchte Zeremonien, die den Beiwohnenden noch lange in Erinnerung blieben.^' Soziale Fürsorge der Brauherren Die Brauerei Zipf hat auf dem Gebiet der sozialen Fürsorge Hervorragendes aufzuweisen. Der Dichter Adalbert Stifter erwähnt bewundernd die innovatorischen Leistungen der Familie Schaup, welche 1858 die Brauerei übernommen hatte.^^ Mit vielen Einrichtungen, die im fortgeschrittenen Wiener Industrialisie rungsprozeß bereits bestanden, ging der Neuindustrielle Franz Schaup in Ober österreich neue Wege. Sein Sohn Dr. Wilhelm Schaup und dessen Tochter Emilie setzten das bedachte soziale Konzept in Zipf fort. Der Grund der karitativen Einrich tungen war es, ein Ansiedeln des nötigen aus der bäuerlichen Umgebung stammen den Arbeitskräftepotentials zu ermöglichen. Es mußten dafür sämtliche Bedürfnisse befriedigt werden, jene nach Wohnung, Nahrung, Unterhaltung, Bildung, Sport und schließlich die Altenversorgung. 1886 wurde ein Unterstützungsfonds für Arbeiter und Angestellte ins Leben gerufen, ein Betriebskrankenhaus mit einem Arzt eingerichtet, das nach dem Ersten Weltkrieg aufgelassen und bis 1966 in eine permanente Ambulanz umgewandelt worden war. Heute kommt noch dreimal wöchentlich ein Arzt in den Betrieb. Seit 1904 existiert ein eigenes Schulhaus und seit 1912 ein Versorgungsheim, von dessen ersten zwölf Pfleglingen eine Ansichtskarte existiert. Aus der Brauerei Stöhr bei Vorchdorf sind großzügige Einrichtungen aus dem Bereich des Eigenheimwesens wie auch in Zipf in den dreißiger Jahren unseres Jahrhunderts überliefert. Siehe Bericht in; Schärdinger Wochenblatt 1925. Jg. 24, Nr. 4, S. 7, sowie 1930. Jg. 29, Nr. 35, S. 4f. Karl Kleinschmidt, Erbe und Wachstum. Hrsg. v. der Brauerei Zipf, Oberösterreich. Linz o. ]., S. 9.

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