OÖ. Heimatblätter 1992, 46. Jahrgang, Heft 4

hoch angesehen waren und großen Einfluß hattend® Interessanterweise werden sie aber in der lokalen Dichtung und Literatur keineswegs gelobt. Ihre Arroganz wird kritisiert, ihre Schläue und Hartherzigkeit in Geschichten verpackt. Franz Stelzhamer kreierte die Figur des schlauen Bräuherrn Enzinger, der einen armen Dorfbe wohner, den Dimmel, mit Argumenten der Männlichkeit herausfordert, um ihn zu seinem Zwecke für schwere Arbeit zu verwenden. Der Dimmel rodet gegen Holzan teil und gelockt vom Geld eine Waldwildnis für den Bräuherrn, überanstrengt sich und stirbt daran. Auch in einer Innviertier Sage mit dem Titel „Der Pfarrer von Jeging und der Bierbrauer von Munderfing" überlistet der Brauherr seinen Gegenspieler, diesmal einen Geistlichen.®" Spöttisch gemeint ist meines Erachtens auch der Ausdruck „TrebernadeT, wie er noch im Insiderkreis für Brauherren bekannt ist. Vielleicht kann man die Deu tung so verstehen, daß der Brauherr seine soziale Stellung, kraß gesehen und abfäl lig gemeint, auf den Biertrebern als Symbol der Bierproduktion aufbaut, jedoch Ansprüche stellt wie ein Adeliger! Franz Stelzhamer verspottet in seinem bekannten Stück „D' AhnT in der Szene der Hochzeitsvorbereitungen im Brauhaus den gesamten „Broiadel": „'s Broihaus, dös ganz is auf und Alls strabelt und zabelt und thuet sö um, go da Broiherr selm hat Däweil heunt, daß ä was angreift: denn da Broiadel, hau, sitzt ab von Straßenkoath und von Baunmist! Wissen thain sis go wohl, awä wann mär iehns sait, iss iehn zwidä -."®® Reichtum und Wohlstand eines Brauherrn führten nicht nur in Ach an der Salzach zu der erwähnten Legende, davon berichtet eine Volkssage auch aus Vorchdorf und Umgebung: „Der Brauer von Eggenberg wollte auch seine Wertsachen vor den Franzosen in Sicherheit bringen. Er füllte sie in einen hänfenen Sack und ver senkte sie in finsterer Nacht in den Schloßteich. Doch die Ungewissen Zeiten dauer ten lange, so daß der Sack verfaulte und die Wertsachen im Schlamm verschwan den. Der längst verstorbene Hausmaurer von Eggenberg ... erzählte oft, daß man nach vielen Jahren wiederholt Goldstücke auf den Ackern fand, die mit dem Schlamm auf das Feld gefahren wurden."®® Auch das Haus König bewahrt(e) viel altes Silber- und Zinngeschirr, kost bare alte Gebetbücher, Rosenkränze und vor allem Pergamenturkunden seit dem 15. Jahrhundert sowie Ölgemälde der Besitzer. " S. Anm. 7, S. 79 f. Franz Stelzhamer, Der Baumtod, In: Der Teufelsbeschwörer. Graz 1958, S. 25-80. Rieder Heimatkunde. Heft 19. Ried 1932, S. 204 f. Franz Stelzhamer, D' Ahnl. In: Gedichte. Stuttgart 1855, S. 342. Auch Hermann Bahr beschreibt in seinem unvollendeten „Linzer Roman" einen jüdischen Bierbrauer als „Übermenschen". In: Hermann Bahr: Der Herr aus Linz. Katalog des Stadtmuseums Linz. 1984, Nr. 39. Rudolf Schwarzelmüller, Vorchdorf. Ein Heimatbuch. Vorchdorf 1959, S. 284.

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