OÖ. Heimatblätter 1992, 46. Jahrgang, Heft 4

des 20. Jahrhunderts und auch als Ökonom seit Beginn der volkskundlichen Neu zeit, vor allem im 19. Jahrhundert, eine im Innviertel hervorragende Bedeutung. Letzteres hing vermutlich mit der ehemaligen Berufsausbildung für Brauer zusammen, die aus landwirtschaftlichen Fächern hervorging. Die berühmte erste Brauerschule in Weihenstephan war als Landwirtschaftsschule gegründet worden, und auch die Wurzel der österreichischen Hochschule für Gärungstechnik liegt in der landwirtschaftlichen Mittelschule Francisco Josefinum in Mödling bei Wien. In „Claudis Tagebuch" fand sich folgende Eintragung: „Braun Leopold Bräuereibesitzer in Buchheim (heute Puchheim, Anm. d. Verf.) hat am 30. Ocktob 1894 den FranzJosef-Orden wegen landwirtschaftlicher Verdienste Bekommen."^" Das berühmteste Beispiel eines Innviertier Ökonomen und Brauherrn ist uns in der Figur Georg Wieningers überliefert. Er gilt als „Pionier der Landwirtschaft im Innviertel'T^ konzentrierte sich auf seine naturwissenschaftlichen Forschungen auf seinem Mustergut Otterbach bei Schärding und auf das Wirken als Bürger im Gemeinwesen der Stadt Schärding. Nachdem er seine Besitzungen, d. h. die Braue rei, als Einkommensquelle zu Beginn des 20. Jahrhunderts verloren hatte, verließ er Schärding und ging nach Wien (gest. 1925). Auch die Brauerei Gundertshausen betrieb in einem Gut in Ibm eine „öko nomische Musterwirtschaft'^^ und eine ebensolche dreihundert Joch große gehört zur Brauerei Stöhr in Vorchdorf, zu der jährliche Exkursionen der Hochschule für Bodenkultur in Wien und anderer Lehranstalten führen. Die nahrhaften Abfälle aus einem Braubetrieb (Malzkeime und Trebern) begünstigten vor allem die Stier- und Ochsenzucht, in der Vergangenheit spricht man auch von einem „Marstall" eines Brauherrn, also von einer herrschaftlichen Stallung. Ebenso verbreitet unter Innviertier Brauherren ist die Beschäftigung mit Pfer den. Jene waren primär notwendig, um das Bier auszuführen, was in zweiter Linie zum Aufbau einer Zucht sowie zum Einkommenszweig der Lohnkutscherei ausge baut werden konnte. Die Landwirtschaft der Brauherren befand sich direkt angeschlossen an Braugasthof und Brauerei. In Braunau stehen heute hinter dem Haus am Marktplatz und der Braustätte im Hinterhaus in einer kleinen Gasse noch die Räumlichkeiten für die Stallungen. Heute leer und dem Verfall preisgegeben, bedeuteten sie jedoch ehemals Zeichen des „Ackerbürgers" am Marktplatz. In den vierziger Jahren besaßen von 36 oberösterreichischen Klein- und Mit telbrauereien noch 25 einen landwirtschaftlichen Grundbesitz,^^ im Jahre 1986 nur noch zwei: die Brauerei Baumgartner in Schärding und Mayr in Kirchdorf. Dieses Tagebuch wurde von einem Verwandten des Brauereibesitzers August Claudi in Ried geführt und befindet sich heute unter der Nummer B-05 im Rieder Volkskundehaus. Es berichtet über Ereig nisse aller Art in Ried, chronologisch geordnet und in alphabetischer Reihenfolge. Innviertier Heimathefte. Hrsg. v. josef Schönecker. Folge 4. Taufkirchen an der Pram 1970. " Max Schlickinger, Die Brauerei Gundertshausen. Braunau am Inn 1910. " Wilhelm Fein, Die Klein- und Mittelbrauereien Oberösterreichs. Dissertation. Wien 1947, S. 48.

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