OÖ. Heimatblätter 1992, 46. Jahrgang, Heft 4

ü-fcl! BRAU SIND GA-;-' !0F HAN? HOFnANM| Fries zum Thema Innviertier Bauernhochzeit am Braugasthof in Aspach. Foto: Fotostudio Ertl, Ried/Innkreis Auch im Innviertel finden sich Beispiele zwischen engen Kontakten des ländlichen Brauherrn mit städtischem Künstlertum. Der Jugendstil taucht gemäß dem Gesetz der zeitlichen Verzögerungen von Innovationen zwischen Stadt und Land spät in dem untersuchten Landschaftsstreifen auf. An einem Beispiel aus dem Jahre 1924 dokumentiert er sich in Aspach, dem Braugasthof und Wohnhaus der Brauherrnfamilie. Erbaut von dem Linzer Architekten Hans Wolfgruber zeigt es eine eher plumpe ländliche Form mit Jugendstilelementen, die die gedrungen-massige, ganz traditionell mit dem Walmdach ausgeführte Bauweise Innviertier Braugasthöfe mittels einer unregelmäßigen Fenstergliederung spielerischer aufzulösen versucht. Mehrteilige, oben abgerundete Fensteröffnungen spenden den Räumen im Erdge schoß viel Licht, die „Beletage" wird durch hohe, schmale Fenster und zwei abge schrägte Erker linienhaft in der Verükalen gegliedert. Den ersten Stock betont in die Breite ein mächtiger, von Engelbert Daringer gemalter Fries, der Szenen einer Innviertier Bauernhochzeit darstellt. Figurengruppen ziehen an der Längsseite des Hauses entlang, die Frauen in Tracht und Goldhaube, in schwarzen, langen Kopf tüchern tanzen sie an den Breitseiten. In den Jahren 1924/25 wurde vom Bildhauer Furtner ein den Stilprinzipien des Jugendstils angelehnter Ofen, ganz dem geforderten Gesamtkunstwerk dieser Epoche entsprechend, für obiges Haus geschaffen. Er ziert heute im neu erbauten Einfamilienhaus der Aspacher Brauereibesitzer das Wohnzimmer. An ihm ranken sich pflanzliche Symbole des Berufsstandes des Auftraggebers, Gerste und Hopfen, in Form traubenartiger Früchte empor. Der in Brauherrnfamilien gern gesehene Umgang mit der städtischen Intel lektuellenschicht ließ jene in Krisenzeiten als ländliche Mäzene fungieren. Der Brauherr als Innovationsvermittler Landwirtschaft Das Innviertel war weder reich an eigenen Innovationen im Brauwesen noch leicht empfänglich in der Übernahme solcher von außen. Der Brauherr tritt uns in seiner Funktion als Gewerbetreibender ideenarm entgegen, da er meist kein Meister seines Faches war, es in regionaler Abgeschiedenheit traditionsgebunden fortführte. Als Innovationsvermittler der städtischen Lebensweise jedoch hat er bis in die Mitte

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