Der heilige Florian zierte die Handwerksfahne, die seit Beginn der Hand werkszunft an Festtagen, vor allem immer zu Fronleichnam bei Prozessionen mitge führt wurde. Dies ist aus Ried und Schärding überliefert; in letzterem Ort wurde nach dem Zweiten Weltkrieg der Brauch wieder aufgenommen und bis in die sechzi ger Jahre fortgesetzt. In Ried und Braunau sind Brauerkapellen erhalten, in denen am Florianitag jedes Jahres der Hauptjahrtag des Handwerks in Form eines Hochamtes gefeiert wurde. Die ältere davon ist jene in der Rieder Pfarrkirche, deren Altar im Jahre 1669 vom Barockbildhauer Thomas Schwanthaler restauriert worden war." Das genaue Entstehungsdatum des Altars ist nach durchgreifender Restaurierung nicht mehr zu eruieren. Dargestellt ist eine Szene, in der der heilige Florian den brennenden Markt Ried mit Wasser begießt. Dies blieb in der Realität meist nur ein Wunschtraum, denn unzählige Innviertier Ortschaften waren durch Feuer, ausgebrochen in einem Brau haus, eingeäschert worden. Der Altar der Brauerkapelle in Braunau wurde vom Barockbildhauer Zürn im Jahre 1664 neu gefertigt. Das Altargemälde von Tobias Schinagl zeigt die Ent hauptung der heiligen Katharina, darüber finden wir eine Darstellung des heiligen Florian, darunter die Brauerzeichen. Mächtig schließt ein Schmiedeeisengitter mit bekrönenden Zunftzeichen die Kapelle ab. Leider wurde das Ensemble mit der Transferierung des Altares in die Nebenkapelle auseinandergerissen. Daß die einzigen bedeutenden Barockaltäre Innviertier Brauerzünfte zwei Daten überliefern, die so knapp beieinander liegen, ermöglicht folgende Hypothese. Im 17. Jahrhundert ist, wie bereits erwähnt, ein Höhepunkt in der zahlenmäßigen Errichtung von Braustätten im Innviertel zu verzeichnen. Daß beide Altäre im 17. Jahrhundert, in der Konjunktur des Braugewerbes, entstanden sind und die bedeu tendsten jeweils ortsansässigen Künstler für die Herstellung engagiert worden waren, verwundert also nicht, wohl aber, daß nur fünf Jahre zwischen den überliefer ten Entstehungsdaten liegen. Den künstlerischen Kontakt zwischen den beiden Zen tren des Braugewerbes bildeten einige Arbeiten Zürns - in Ried in den fünfziger Jah ren desselben Jahrhunderts. Als jener dann für die Braunauer Brauer einen „moder nen" Altar gefertigt hatte, wollte dem vermutlich die Rieder Zunft nicht nachstehen und engagierte den bekannten Künstler Thomas Schwanthaler, um auch ihren alten Altar im damals modernen Barockstil vollständig restaurieren zu lassen. Eine Verehrungsform des heiligen Florian fand ich nur in einem einzigen Bei spiel direkt an der Produktionsstätte in Form eines Freskos am ehemaligen Brauhaus in Ach an der Salzach. Es stammt aus dem Jahre 1721 und zeigt eine überlebens große Männerfigur, um welche sich noch kleine Szenenbilder mit unkenntlich gewordenem Inhalt gruppieren. " Franz Berger, Der Bräuer-Altar. In: Ried im Innkreis (I. Teil der Geschichte des Marktes und der Stadt Ried). Ried 1948, S. 225. " Franz Martin, Österreichische Kunsttopographie, Bd. 30, polit. Bezirk Braunau. Wien 1947, S. 195.
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