kommen, aber in der Nachkriegszeit auf der Höhe des Erfolges waren. Die Literatur der letzten Jahr zehnte ist dann repräsentiert in Textauszügen von Ingeborg Bachmann, Ernst Jandl, Gerhard Fritsch, Handke, Canetti, Barbara Frischmuth, Erich Fried und Gernot Wolfgruber. Von Thomas Bernhard hätte der Beginn des dritten Aktes seines Bühnen stückes „Vor dem Ruhestand. Eine Komödie von deutscher Seele" abgedruckt werden sollen. Bern hards Nachlaßverwalter stimmte aber aus der „Testamentssituation" heraus einem Abdruck nicht zu. Das Besondere an dieser Anthologie ist, daß den literarischen Texten der vorgenannten Auto ren historische Kontexte, also umgebende, sach lich zugeordnete Texte, nachgestellt sind, wobei - nach der Einleitung des Literaturhistorikers - ent scheidend sind für die historischen Kontexte - sie reichen etwa von Hermann Bahr zu Hermann Himmler, von Ernst Fischer zu Karl R Fopper - „Signale, Anschlußstellen der literarischen Texte". Von Fall zu Fall in unterschiedlichem Maße er geben sich hiebei neue Sichtweiten auf das den literarischen Text umgebende soziale Geflecht. Ein reizvolles Unternehmen: Nur muß man sich hiezu Zeit nehmen (können)! Josef Demmelbauer Fuß fassen konnte" (Vorwort). Ins Visier ge nommen werden Waggerl - der am ausführlich sten -, der heute vergessene Franz Spunda (18901963), dessen A Schmidt in den Salzburger Nachrichten vom 30. Dezember 1989 gedachte, Friedrich Schreyvogl (1899-1976), die kürzlich verstorbene Erna Blaas, geb. 1895, Mirko Jelusich (1886-1969), Franz Turnier, geb. 1912 und - wieder ausführlich - Max Mell (1882-1917). Es hat also eine „Stunde Null" in der österreichischen Literatur weder 1938 noch 1945 - da schon gar nicht - gege ben. Das ist so neu nicht. Was soll aber der akade mischen Ansprüchen wohl genügende Nachweis all dessen? Man würde der Literaturwissenschaft endlich wieder die Rückkehr zur Werkanalyse wünschen. Die kommt aber offenbar nicht wie der so recht in Mode, während auf dem soziologi schen Feld auf fast 1.400 (!) Seiten eine verwandte Untersuchung erschienen ist, „eine kollektiv-bio graphische Analyse der beruflichen und politi schen Herkunft der österreichischen Tages zeitungsjournalisten am Beginn der Zweiten Repu blik (1945-1947)". Gibt es 1990 für einen Literatur historiker nicht wichtigere Themen als das hier ab gehandelte? Josef Demmelbauer Karl Müller: Zäsuren ohne Folgen, Das lange Leben der literarischen Antimoderne Öster reichs seit den dreißiger Jahren. Salzburg: Otto-MüllerVerlag 1990. 374 Seiten, geb., 5 298,-. Wie der Nestor der österreichischen Literatur kritik, Edwin Hartl, anläßlich der 1985 erschiene nen Untersuchung „österreichische Literatur der dreißiger Jahre" schrieb, steht seit einiger Zeit im Mittelpunkt akademisch fundierter literarischer Analysen weniger die Qualität der Dichtung, es geht darin mehr um das Umfeld, vor allem aus der Zeit des Ständestaates und des Dritten Reiches. Auch in diesem Buch geht es wieder um „das lange Leben der literarischen Antimoderne Österreichs seit den dreißiger Jahren": so sein Untertitel. Sein Autor, der Salzburger Germanist Karl Müller, be schäftigt sich darin „mit jener deutschsprachigen Literatur aus Österreich, die ab 1938 als ,ostmärkische Dichtung' den engen Kanon der von den Nationalsozialisten zum einzig wahren Schrifttum hochstilisierten Literatur bildete und nach 1945 - nach eine kurzen Phase der Diskreditierung - in der Zweiten Republik erneut mit großem Erfolg Der Staat. Zeitschrift für Staatslehre, öffentliches Recht und Ver fassungsgeschichte. Berlin: Verlag Duncker b Humblot. Erscheint viermal jährlich. Ahopreis jährlich DM 148,-, für Studenten DM 118,40. Einzelheft DM 40,-. Wer über das geistige Geschehen, vornehm lich auf der Ebene von Staat und Gesellschaft, das stets seine - vielfach längere Zeit unbemerkte - Rückwirkung hat auf den kleineren Kreis, in dem wir leben und den wir als unsere Heimat empfin den, einen Überblick gewinnen will, dem seien Lek türe und Studium der hochangesehenen deut schen Zeitschrift „Der Staat" empfohlen. Die seit einigen Jahren grassierende kulturelle Debatte über die Postmoderne, eine Form der „neuen Unübersichtlichkeit", die Jürgen Habermas schon für die achtziger Jahre diagnostizierte, von manchen - etwa von Kurt Sontheimer in der bei Schöningh in Paderborn erschienenen Festschrift für M. Hättich - als „unverbindliches Zeitgeist geschwätz" bezeichnet, wird im Heft 3/1989 unter dem Thema „Postmoderne und Politik" abgehan delt. Der Verfasser, Bernd Willms, ein Politik-
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