Buchbesprechungen Heimatbuch Gunskirchen. Hrsg. von der Marktgemeinde Gunskirchen. Schriftleitung: Roman Moser. 504 + VIII Seiten mit vielen Schwarzweiß- und Farbbildern, Tabellen und Kartenskizzen. Äußerer Anlaß für die Herausgabe dieses großformatigen und äußerst reichhaltig ausgestat teten Heimatbuches war die Markterhebung der Gemeinde im Jahr 1990. Daß es nicht nur ein auf wendig gestaltetes und damit sehr repräsentatives, sondern auch ein sachlich bestens fundiertes, alle Bereiche umfassendes Werk wurde, dafür garan tiert der Schriftleiter und Autor verschiedener Ein zelbeiträge, Wiss. Konsulent Hofrat Direktor Dr. Roman Moser. Viele Vorarbeiten und Beiträge hiefür leistete bereits sein 1989 verstorbener Bru der, Wiss. Konsulent Schulrat Rudolf Moser, der vor allem als Bauernmöbelforscher weit über die Grenzen unseres Heimatlandes hinaus bekannt wurde. Die von ihm eruierte Kapsamer-Werkstätte in der Ortschaft Grünbach wird selbstverständlich hier wiederveröffentlicht. Die hervorragende Ge meinschaftsarbeit zeigt sich in der Auflistung von 57 Namen im Autorenverzeichnis, davon 42 aus Gunskirchen selbst. Die Aufgabe dieses Heimat buches, wie sie der Schriftleiter in seiner „Ein leitung" umreißt, es soll „uns zu den Grundwerten menschlichen Seins hinführen, das Eingebunden sein in das Naturganze bewußtmachen und auf das Verhaftetsein mit der Kultur und den Traditionen unserer Vorfahren hinweisen", wurde bestens gelöst. Gerade eine Gemeinde wie Gunskirchen, die sich von einer reinen Agrar- nach 1945 zu einer dy namischen Industrie- und Wohngemeinde ent wickelt hat, bedarf einer solchen Darstellung des engeren Lebensraumes. Die Einwohnerzahl ist seit 1939 nahezu auf das Doppelte, nämlich auf fast 5.000, angewachsen; somit ist Gunskirchen bereits die zweitgrößte Gemeinde des Bezirkes WelsLand. Unter den kulturellen Besonderheiten nimmt, wie schon am Titelbild angekündigt, die kleine Bronzestatuette einer Venus im Welser Stadt museum, die auf Gunskirchner Gemeindegebiet 1913 gefunden wurde und daher liebevoll als „Ve nus von Gunskirchen" bezeichnet wird, eine Son derstellung ein (vgl. Oö. Heimatblätter, lfd. Jg., H. 1, S. 88). Der geschichtliche Rückblick be schränkt sich keineswegs auf die ausführlich dar gestellte ältere Vergangenheit, sondern widmet auch der NS-Zeit, dem KZ Gunskirchen und dem großen Flüchtlingsstrom nach dem Zweiten Welt krieg umfangreiche Beiträge. Viel anderes Interes santes wäre ebenfalls hervorzuheben, so z. B. die Wallfahrt zur „Fallsbacher Madonna", Sagen und Bräuche, die Darstellung der Kapellen und anderer Kleindenkmale, die Galerie in der SchleemayrSölde, die zahlreichen kommunalen Aufgaben, das Schulwesen, die Geschichte der Vereine, der Firmen usw. In Entsprechung des für die Erstellung des Heimatbuches verwendeten landeskundlichen Schemas wird von der Darstellung des Natur raumes als Grundvoraussetzung des Ganzen aus gegangen. Das Tiefbohrungsprofil der RAG, das als Beispiel erwähnt sei, ergab zwar kein Erdöl, aber eine interessante geologische Abfolge, und zwar eine Mächtigkeit der Schotter, Schliere, Mer gel und Sandsteine von 1.514 m bis hinab zum Kri stallin der Böhmischen Masse. Im Zusammen hang mit der Beschreibung der klimatischen Ver hältnisse wird auch die Katastrophe von Tscher nobyl geschildert: Infolge der gerade herrschen den Nordostlage brachte nämlich der Regen vom 29. April bis zum 3. Mai 1986 gerade im Raum Gunskirchen einen extrem hohen Niederschlags wert und in Folge eine besonders starke Cäsium belastung. Am Vorsatz ist ein Ausschnitt aus der be rühmten Karte von Georg Matthäus Vischer wie dergegeben, die allerdings nicht 16 74, sondern von Vischer 1667 erarbeitet und 1669 von Melchior Küssel in Augsburg gestochen wurde. 1674 ist Vischers „Topographia Austriae Superioris Modernae" (so lautet der richtige Titel!) mit den bekann ten Ansichten der Städte, Märkte, Stifte und Schlösser erschienen. Das vorliegende Heimatbuch ist sicher nicht nur für die Gunskirchner von besonderem Wert, es kann jedem oberösterreichischen Heimatforscher und jedem an der Landeskunde Interessierten
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