Die „Linzer Volksstimme. Nationalsozialistisches Kampfblatt für die Alpen länder" - bereits mit Reichsadler und Hakenkreuz sowie der Devise „Arbeit und Brot" versehen - führte einen Wahlkampf sowohl gegen Rot als auch Schwarz, wobei man ersteren die Klassendiktatur, letzteren die Verbindung zu den Monarchisten vorwarf. Am 23. Gilbhart (Oktober) ist unter der Überschrift „Drohende Schatten. Die Angst um die Mandate. Rattenfängerlieder" unter anderem zu lesen: „... so weit zur Er richtung der Habsburgermonarchie (welche den Anschluß an Deutschland ver hindern könnte) ... Und erst die Sozialdemokraten! Das wäre Wasser auf ihre Mühlen. Die Folge wäre ein Bürgerkrieg und schließlich die sozialdemokratische Diktatur! Glaubt man denn wirklich, daß die Sozialdemokraten diese Gelegenheit zur Aufrichtung ihrer Herrschaft ungenützt vorübergehen lassen würden? Das kann nur so ein bornierter legitimistischer Schädel glauben, der in den letzten zehn Jahren nichts gelernt hat..." Am 6. Nebelung (November) ist Seite 2 mit „Der rote Parteitag in Linz" betitelt: „... Am ganzen Parteitag war viel von Macht und Klassenherrschaft die Rede, von einem Eingehen in die Mängel der eigenen Politik aber keine Spur bemerkbar - über die Skandälchen von Wöllersdorf-Arsenal, Brotwerke usw. und deren praktische Nutzanwendung wurde überhaupt nichts gesprochen ..." Am 13. Nebelung (November) wurde auf Seite 4 ein kritischer Leserbrief als „Rückblick auf einen roten Parteitag" veröffentlicht. Aus allen diesen Pressestimmen geht deutlich hervor, wie sehr sich das politische Klima von heute von jenem der Zwischenkriegszeit in positiver Hinsicht unterscheidet. Die Äußerungen unterstreichen aber auch meine Behauptung, daß hier in Linz in allen drei Fällen Parteigeschichte im Sinne einer Wende zumindest ver sucht worden ist.
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