Die Berichterstatiaing in der „Wahrheit. Wochenblatt für die oberösterreichi sche Arbeiterschaft" brachte bereits am 12. September die „Einberufung nach Linz". Am 19. September berichtet auf Seite 2 ein Kommentar zum „Parteitag in Linz": „... In den alten Nummern unseres Blattes steht, vor 30 Jahren waren damals die Landgebiete von Oberösterreich noch die Domäne der Schwarzen, und heute - welche Wandlung - ist Oberösterreich rot!" - Am 26. September verlangt das Blatt dem „Parteiprogramm-Entwurf" entsprechend die „... Trennung von Kirche und Staat, restlose Verstaatlichung der Schule und restlose Privatisierung der Religion und Kirche...". Am 10. Oktober erschien eine „Neuerliche Einberufung zum Parteitag für den 30. Oktober um 5 Uhr nachmittags". Der Leitartikel vom 17. Oktober ist mit „Rote Eleerschau" überschrieben. Am 31. Oktober deckt sich der Artikel zur „Eröffnung des Parteitages" mit jenem im „Tagblatt", auch mit dessen historischem Beitrag zum ersten und zweiten „Linzer Programm". Zusätzlich findet sich hier ein zweiter historischer Artikel „Einst und jetzt" (zur oberösterreichischen Partei geschichte). Erst am 7. November wurde neuerdings auf sechs Seiten über den „Parteitag und das neue Programm" ausführlich informiert. Die Untertitel hiezu lauteten: „Das Selbstbewußtsein der Bourgeoisie", „Bolschewismus als Illusion", „Das Ende der Vorherrschaft Europas", „Die besondere Lage Österreichs", „Die ganze Arbeiterklasse - ein fleer", „Klassenkampf in einer demokratischen Republik", „Was heißt unter ,Führung der Arbeiterklasse'?", der „Fragenkomplex ,Demokrahe und Diktatur' - das Proletariat ist wehrhaft zu erhalten", „Gewalt kann nicht Selbstzweck sein", „Diktatur des Proletariats heißt, in sich selbst moralische und intellektuelle Qualitäten zu entwickeln", „Wirkliches Klassenbewußtsein", „Betriebsdemokratie auch in den vergesellschafteten Betrieben" usw. Die bürgerliche Presse berichtete viel sparsamer über die Ereignisse. Die „Tagespost" vom 31. Oktober erwähnte den „sozialdemokratischen Parteitag" auf Seite 2 gerade auf einer Spalte: „... Es ist diesmal nicht eine gewöhnliche Tagung, die für uns nur einige lokale Bedeutung erhalten hätte, da sie in unserer Stadt abgehalten wird, und die offensichtlich nicht nur dazu dienen soll, das in Oberöster reich etwas fadenscheinig gewordene Parteiprestige von außen her mit einigem Glanz zu versehen, sondern es handelt sich um einen Parteitag, der eine gewisse grundsätzliche Bedeutung dadurch erhält, daß sich die zweitstärkste Partei Öster reichs ein neues Programm geben will, ... welches der Sozialdemokratie erstens einmal helfen soll, die ihr fehlenden 300.000 Stimmen zur Mehrheit im Nationalrate zu gewinnen und festzusetzen, was zu geschehen habe, wenn ihr die Eroberung der parlamentarischen Mehrheit gelungen ist. Bei dem weiten Spannraum der Anschauung zwischen Rechts und Links innerhalb der sozialdemokratischen Partei ist es nicht verwunderlich, daß das Programm selbst einen Kompromiß darstellt, in dem es schon mit Rücksicht auf die kommunistische Gegenagitation sowohl dem revolutionären Flügel Rechnung zu tragen sucht, indem es mit der Diktatur des Proletariats droht, wenn sich der Bourgeoies etwa rühren sollte; und auf der anderen Seite im Sinne der Evolutionisten der demokratischen Republik ein Kompliment macht..." Ein Lieblingsgedanke der Gemäßigten bleibt für die Übergangszeit eine
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