OÖ. Heimatblätter 1991, 45. Jahrgang, Heft 2

Auch die Linzer Tagespresse nahm von diesem Ereignis recht unterschied lich Notiz. Die „Linzer Tagespost" erwähnt es überhaupt nicht, berichtet aber aus führlich über eine „Versammlung der Großdeutschen in Goisern" sowie über den „Parteitag der Nationalsozialisten in Salzburg". Breiten Raum nahmen in ihr auch der Sturz der Regierung Cuno in Berlin und die Nachfolge Stresemanns ein. Das katholische „Linzer Volksblatt" vom 14. August widmete auf Seite 3 unter der Überschrift „10. Reichsverbandstag des christlichsozialen Arbeiter vereines" dem „Programm der christlichen Arbeitervereine" ganze zwei Spalten. Unter den Teilnehmern werden zusätzlich Kons.-Rat Moser vom Katholischen Volksvereine, Frl. Ohnmacht, die Sekretärin des Verbandes oberösterreichischer Arbeiterinnenvereine, und Pater Gella SJ genannt. In einem dem Wortlaut nach der „Reichspost" ähnlichen Artikel heißt es unter anderem: „... Abgeordneter Kunschak begrüßt es, daß das Programm außerhalb des Geleises des Gewöhnlichen geht. Nun aber müssen wir die Arbeiter auf jenes Niveau heben, das sie befähigt, das Programm auch in sich aufzunehmen. An die einzelnen Tages fragen werden wir mit dem Pro gramm nicht herankommen, aber wir werden uns damit ein Rüstzeug für die Behandlung der Tagesfragen schaffen ..." Ganze eineinhalb Spalten räumte das „Linzer Wochenblatt, zugleich der Katholischen Blätter 75. Jahrgang" vom 18. August auf Seite 3 dem Ereignis ein: „... Die katholischen Arbeiter haben noch Großes zu leisten; wenn sie aber im Geiste des Programmes arbeiten, das sie gestern und heute für ihre Tätigkeit aufgestellt haben, dann ist kein Zweifel, daß die katholische Arbeiterbewegung über die gegne rische jeder Farbe obsiegen wird..." Aus der Begrüßungsansprache von Nationalrat Schönsteiner wird hervorgehoben: „... Die christlichsoziale Partei gewährt als Volks partei der katholischen Arbeiterschaft in ihren Reihen einen weiten Raum, und es ist ihr Wunsch, daß sich die christlichen Arbeiter in der Partei wohl fühlen ..." (Im fol genden wird das Programm auszugsweise wiedergegeben.) Die seit März 1923 erscheinende „Linzer Volksstimme. Völkisch-antisemiti sches Kampfblatt der ehrlich schaffenden Stände" - ein frühes nationalsozialisti sches Organ - erwähnt das Programm überhaupt nicht. Anders als das Wiener Zentralorgan „Arbeiterzeitung" sah sich die sozial demokratische „Wahrheit. Wochenblatt für die oberösterreichische Arbeiterschaft" in Linz am 26. August veranlaßt, auf der Titelseite unter der Schlagzeile „Christliche Widersprüche. Christliches Eigentum, ein christliches Programm und christliche Kleinigkeiten" recht ausführlich hiezu Stellung zu nehmen: „Da war zum Beispiel dieser Tage eine Zusammenkunft christlicher Arbeitervereine, die gerne ein Pro gramm haben wollten. FFeikle Sache das! Dem Unternehmertum gegenüber wäre ein solches Bekenntnis leicht, kurz und bündig: ,Wir stehen auf dem Boden des Privat eigentums!' Aber eigentumslosen Arbeitern kann man das doch nicht so recht sagen, ..." Im folgenden verweist der Schreiber auf mehrere Widersprüche: „... Da erdrosselt zum Beispiel ein antisozialer Sozialminister (Schmitz) die gemeinnützige Bautätigkeit - und daneben läßt man ein paar Mandlstehauf los: ,Wir fordern die Förderung der gemeinnützigen Bautätigkeit! Denn nöt daß d'Leut sagn - wir täten

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