OÖ. Heimatblätter 1967, 21. Jahrgang, Heft 3/4

gegeben hatten, hielt der Artillerie-Vormeister Lenk mit seinem Geschütz immer noch tapfer und unerschrocken unter dem Brückentor des Marktes aus und jagte Schuß auf Schuß gegen den Feind. Dreimal hintereinander räumte er so die Brücke. Die hochgehenden Fluten der Traun waren rot vom Blut und den Röcken der Franzosen. Diese wurden durch den unerwarteten, verlustreichen Widerstand aufs höchste erbittert, und ein Oberst schwur: „Der Kerl hängt, wenn wir ihn fassen!", ließ auch aus Wut den Markt niederbrennen. Lenk aber zog sich, beständig feuernd, zuerst in den Hohlweg der Straße über den Schiiten berg,dann aufderen Scheitel zurück und deckte dabei durch zielsicheres Feuer den Rückzug der Seinen. Er wurde als Held hoch gefeiert, mit der Silbernen Tapferkeitsmedaille ausge zeichnet, in den Offiziersrang befördert und brachte es bis zum Stabsoffizier seiner Waffe. 31, 182;73 Napoleon übernachtet Neben dem Baumgartnergut in Ansfelden steht eine Kapelle. Dort soll Napoleon 1. - nach einigen Berichten vor, nach anderen nach der Schlacht bei Ebelsberg -im Jahre 1809 über nachtet haben. Im benachbarten Bauernhause glaubte er sich nicht sicher genug. Von einer alten Frau, die als einzige von den vielen Ehhalten des Bauernhauses nicht geflohen war, ließ sich der Korse Eier zum bescheidenen Nachtmahl kochen. Dabei sah er der Alten beständig auf die Finger, da er befürchtete, vergiftet zu werden. Als die Greisin das Koch wasser salzen wollte, hielt er sie mißtrauisch davon ab; ebenso nahm er kein Salz, um die Eier zu würzen. 19,400/236; 22 Hayböck, der Meisterspion Wie bei manch anderem Volkshelden kreuzen sich auch im Charakterbilde des 1770 zu Urfahr geborenen Josef Wenzel Hayböck geschichtlich belegbare Tatsachen mit sagenhaft erfundenen Einzelzügen. Von 1796 bis 1815 wirkte Hayböck als Schulmeister in St. Peter bei Linz. In diese 20 Jahre fallen die Franzosenkriege, die auch Oberösterreich dreimal heimsuchten. Als glühender Patriot stellte sich Hayböck dabei stets selbstlos in den Dienst des Vaterlandes. Seine große Stunde schlug, als 1809 Erzherzog Karl sich nach Böhmen zurückzog und die Franzosen nach dem Treffen bei Ebelsberg den Weg nach Wien frei bekamen. Damals hatte Feldmarschalleutnant Sommariva das linke Donauufer von Passau bis Ybbs zu sichern. Dabei leistete Hayböck als Kundschafter ausgezeichnete Dienste. Da er fließend französisch sprach und die Gegend genau kannte, war er dazu besonders befähigt. Sofort nach dem Einmarsch der Franzosen trat Hayböck als Kanzlist in die Dienste des französischen Quartiermeisters und verschaffte sich dort wichtige Nachrichten, die er meist persönlich der österreichischen Führung überbrachte. Dabei lag er oft stundenlang im Ufer gebüsch, im Schilf, oder gar im Wasser der Donau, um den geeigneten Augenblick zum Überschwimmen des Stromes abzupassen. Ein andermal nahm er die Maske eines schwer hörigen, tölpelhaften Fleischerburschen an und trug auf hölzerner Schüssel, ein Liedchen trällernd, nebst anderen Fleischstücken auch einen blutigen Kalbskopf, in dem Abschriften von französischen Plänen und Befehlen verborgen waren, ungefährdet durch die franzö sischen Posten über die Linzer Brücke. Hayböck wagte aber in seiner Vaterlandsliebe noch viel mehr, ohne je auf frischer Tat ergriffen zu werden. Er beteiligte sich an Überfallen auf feindliche Geschütz-, Munitions und Verpflegstransporte, er verhalf Gefangenen zur Flucht und rettete Deserteure wie Spione vor dem sicheren Tode,ja es gelang ihm einmal gar das Erbeuten einer französischen Kriegskasse mit 90.000 Gulden Inhalt.

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