OÖ. Heimatblätter 1961, 15. Jahrgang, Heft 2/3

Luger: Beiträge zur Musikgesdiidite des Stiftes Lambach Ehre Gottes verherrlicht werde. Auch würdt der Organist zu gleich auch verpflichtet sein, bey deren angeschaften Academie-, Theatral- und Taflfel Musiquen . . . mit seiner übrig erlehrnten Instrumental Musique Dienste zu leisten . . . die Componier Kunst zu ergreifen und dieselbe nach Masse der bei sich selbst verspürenden Anlage entweder zum kirchlichen oder andern politischen Gebrauch zu seinem selbst aigenem Vortheil und Ruhm in Ausübung zu bringen." Außerdem war der Organist verpflichtet, die Sängerknaben im Orgelspielen zu unterrichten. Dafür konnte er sich beim Chordienst von seinen Scholaren vertreten lassen. Neben der täglichen Verpflegung sollte der Organist täglich ein Maß Wein und wöchentlich 14 Laib Weißbrot, sowie 50 Gulden jährlich erhalten. Wohnung und Beheizung war außer dem frei. Die Kündigung war vierteljährlich möglich. Daß diese für die Musik so aufgeschlossene Atmosphäre in Lambach auch bedeutende Künstler dieses Jahrhunderts anzog, ist zu verstehen. Innig verbunden mit dem Stifte war Michael Haydn, dessen Gattin Maria Magdalena Haydn-Lipp im Lambacher Stiftstheater aufgetreten ist. Ebenso trat zu jener Zeit die Sängerin Notburga Kaiser aus Gmunden hier auf®®. Michael Haydn hatte auch die Musik zum Lindemayr-Stück „Rebekka als Braut" geschrieben. Es wurde am 6. Februar 1781 aus Ardaß der Namenstagfeier des Abtes in Lambach aufgeführt®®. Zahlreiche Werke widmete Michael Haydn dem Stifte. In dem von P. Adalbert Donebauer aufgestellten Verzeichnis aus dem Jahre 1823 sind von Michael Haydn in Lambach folgende kirchenmusikalische Kompositionen vorhanden: 17 Messen, 11 Litaneien, 3 Requien, 106 Gradualien, 37 Offertorien und 6 Vespern^®®. Aus der Fülle dieser Werke sei noch ein Flötenkonzert in D-Dur genannt, das noch nicht im Druck er schienen ist und von dem das Musikarchiv Lambach vermutlich das einzige Exemplar besitzt^®^. Michael Haydn wirkte oft bei Aufführungen von Messen mit; so weilte er am 23. November 1771 mit seiner Frau und seiner Schwägerin im Stifte Lambach. Er spielte die erste Violine und bekam dafür ein „Geiger Douceur" von 16 Gulden. Zum 30jährigen Abtjubiläum von Amand Schickmayr komponierte Michael Haydn eine Messe. Haydn kam selbst zu den Jubiläumsfeierlichkeiten nach Lambach. P. Erenbert Sperl schrieb in seinem Tagebuch über die Feierlichkeiten folgendes^®®: „Der 25. Oktober des Jahres 1776 war es, in welchem der Himmel Lambach eines Glikes würdigte, dessen es sich seit seiner Stiftung nur 5 mahl rühmen konte, daß der hiesege Abbt 30 Jahre seinem Stifte vorgestanden". Um %8 Uhr früh wurde die Feierlichkeit durch den gesamten Konvent und mit Glocken geläute eröffnet. Nach dem Empfang der zahlreichen Festgäste wurde vom Abt von Krems münster das Pontifikalamt gehalten. Sperl schreibt darüber: „. . . das Hochamt . . . wurde unter der feierlichsten Music abgesungen. Sie wurde auf Kosten des Priorats von dem Hochfürstl. Salzburgl. Concert Meister H. Michael Heyden componiert. Ein Stück, das seines Meisters werth war, so majestätisch und dem Gegenstand angemessen klang alles. Er schlug selbst die Orgel dabey und gab mit seiner gegenwarth seinem Werke und dem gantzen Chor " O. Wessely, Musik, S. 29. K. Schiffmann, Drama u. Theater, S. 82, Anm. 1. Verzeichniß jener Musikalien und Instrumenten, welche sich im Chor befinden. Verfaßt im Monat Juni des Jahres 1823 von Adalbert Donebauer, Chorregens. Original Musikarchiv Stift Lambach. "t Freundliche Mitteilung von Prof. H. Lang. Sperl, Haustagebuch, Handschrift Nr. 238, Stiftsarchiv Lambach, S. 81v—92v.

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