OÖ. Heimatblätter 1961, 15. Jahrgang, Heft 2/3

Burgstaller: Felsbilder und Umschriften im Toten Gebirge in dem berühmten Felsbild an der Wand eines bronzezeitlichen Steinkistengrabes in Ander lingen (Hannover)®^, das drei Götter (oder drei Erscheinungen ein- und desselben Gottes) zeigt, mit denen der Bestattete nun in irgendeiner Weise in Beziehung tritt. Wie eindrucksvoll auch die Parallelen aus den benachbarten Fundgebieten in Österreich und im übrigen Europa sein mögen, direkte Zeugnisse für die Entstehung der Felsbilder im Toten Gebirge in frühester vorgeschichtlicher Zeit vermögen sie freilich nicht zu ersetzen. Auch die Beachtung der Technik ihrer Ausführung kann, trotzdem einige der hier festge stellten Methoden, wie die Hämmerung oder die Verbindung von Stichelung und nachherigem Ausziehen der punktierten Linien, als Kennzeichen der Kunstübung gewisser Perioden bekannt sind, nur ein relatives Nacheinander der einzelnen Bildgruppen im Laufe einer langen Benützungszeit der Felsen als Bildträger wahrscheinlich machen. Dies trifft aber in gleicher Weise auch für andere Fundstellen, vor allem auch für die der Val Camonica, zu, deren hervorragende Bedeutung für die Kenntnis der europäischen Kulturentwicklung kaum je mand ernsthaft in Frage ziehen wird. Die Beweisführung durch die Vergleiche aber zeigt, daß man es dem gesamten Fundinventar nach in dem Gelände in der „Holl", das schon durch seine heroisch-schaurige Stimmung und die auffallende Karsterscheinung des plötzlich versiegenden, unterirdisch unter der Höhle der „Rollenden Lueg" dahintosenden Flusses die Menschen ergreift, offensichtlich mit einer sehr alten und oft und lange benützten kul tischen Anlage zu tun hat. Denn um eine solche handelt es sich wohl nach der Art der Lokalität und der in ihrer religiösen Bedeutung klar erkennbaren Zeichen, über deren Sinngehalt an anderer Stelle noch ausführlich zu sprechen sein wird. An ihren Wänden läßt sich das kulturelle, im besonderen glaubensgeschichtliche Gedankengut von Jahrtausenden ablesen, das bis in die Zeit der Christianisierung reicht, deren eindrucksvolles Zeichen die Christogramme sind, die zum Teil zunächst noch unvollständig und in Form und Sinn augenscheinlich noch unverstanden, an einzelnen Felsen (VIH, IX, VIH, IX) mitten unter die alten Zeichen hineingesetzt oder über diese geschrieben sind (XII A) und die bezeugen, daß auch in späterer, wahrscheinlich bis in die Gegenreformation reichender Zeit die Bevölkerung trotz der ersichtlichen Verfemung der örtlichkeit durch die Benennung mit dem Namen „Höll" diese als ehrwürdig und heilig betrachtete und in ihrer erhabenen Natur in treuer Anhäng lichkeit Zuflucht und Erbauung suchte. Eine Kontinuität der Benützung, wie sie in dieser Spannweite wohl nur an wenigen Fundorten beobachtet werden kann und die allein es schon rechtfertigen würde, sich mit den äußerlich so unscheinbaren Eintragungen am Warscheneck zu beschäftigen und ihnen, was im Hinblick auf Verwitterungsschäden und die bedauerliche Verständnislosigkeit mancher Bergwanderer dringend geboten erscheint, auch unseren Schutz angedeihen zu lassen. Welche Gründe in ihrer Gesamtheit es waren, die einst zur Entstehung und im weiteren zur fortgesetzten Benützung dieser weltabgelegenen, hoch im Gebirge eingebetteten Anlage geführt haben, wissen wir nicht. Daß aber außer der doch verhältnismäßig späten, wenn auch sehr eindrucksvollen Grenzstellung des Gebietes auch die wahrscheinlich schon sehr alte Benützung dieses Felssturzgeländes als Brunftplatz des zahlreichen Rotwildes beigc- " Abb. bei H. Kühn, Die Felsbilder Europas. Stuttgart 1952. T. 93. Entsprechend den aufgefundenen Grab beigaben wird für die Steinplatte, für die H. Kühn 287 feststellt: „dargestellt sind drei Götter", vermerkt „Datierung in der Periode II der Bronzezeit, 1400—1200".

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