Burgstaller: Felsbilder und =insdiriften im Toten Gebirge bekannten eisernen Votivtiere erinnern, für die R. Kriss eine innere Chronologie mit einer Entwicklung von vollplastischen (älteren) Formen zu (jüngeren) fast nur mehr flächenhaft ausgeführten nachweisen konnte^®. In welchen Zeitabschnitten diese verschiedenen Formgebungen angewandt wurden und ob sie nicht auch, was ebenfalls denkbar ist, zeitweilig nebeneinander geübt wurden, entzieht sich vorläufig noch unserer Kenntnis. Man wird aber kaum umhin können, die zu den beiden ersten Gruppen gehörigen Bilder zu den relativ ältesten des gesamten Inventars zu rechnen. Zu beachten ist, worauf wir bereits mehrfach hingewiesen haben, die Lage einiger Zeichen, wie der verschiedenen Bogen auf Felsen IV, der rinderartigen Tiere auf Felsen V, der Mühle spiele und des großen Spielplans auf Felsen XII A, die unmittelbar über dem heutigen Bodenniveau angebracht sind, eine Situation, die, noimale Körpergröße der Zeichner voraus gesetzt, diese gezwungen haben müßte, die Figuren in liegender oder beinahe liegender Stellung oder in tiefer Hocke auszuführen. Da kaum anzunehmen ist, daß die Zeichner diese mühevolle Arbeitsstellung wählten, obwohl ihnen in höheren Partien desselben Felsens noch reichlich Raum zur Anbringung ihrer Figuren zur Verfügung stand, muß geschlossen werden, daß seit der Eintragung dieser Zeichen eine bedeutende Erhöhung des Niveaus stattgefunden hat. Von welchem Ausmaß diese ist und eventuell auch wie lange sie bis zur Erreichung der heutigen gebraucht hat, körmen nur Grabungen nachweisen. Endlich ist in diesem Zusammenhang nochmals auf den Versturzfelsen vor der „Rollenden Lueg" zu verweisen, der an dem Zeichenfelsen so lehnt, daß er die schachbrettartige Figur in zwei Teile teilt. Er muß also erst nach Anbringung der Zeichnung in diese Stellung gekommen sein, wodurch sich ein weiterer Anhaltspunkt dafür ergibt, daß die Eintragungen relativ alt sind. 4. Zahlreiche der auf den Felsen im Warscheneckgebiet angebrachten Zeichen und Bilder kehren unter den Ritzzeichnungen an Dreschtennen und an den Türen von Getreidekasten'^' und Almhütten wie auf ungezählten Werken der Volkskunst wieder (wodurch die Beschäf tigung mit dem Fundkomplex auch mit in den Bereich volkskundlicher Aufgaben fällt), ebenso aber auch auf vor- und frühgeschichtlichen Fundstücken und im zum Teil datierbaren Inventar anderer europäischer Funde von Felsbildern. Die Heranziehung der letzteren zu Vergleichszwecken ermöglicht jene indirekten Schlüsse, auf die wir oben hingewiesen haben. Ohne der eingangs angekündigten größeren Publikation vorgreifen zu wollen, in der das Vergleichsmaterial in allen Einzelheiten vorgelegt werden soll und namhafte Forscher mit Detailuntersuchungen von verschiedenen Standpunkten aus zu den Funden Stellung nehmen werden, glauben wir es vor allem unseren oberösterreichischen Heimatfreunden, die sich so lebhaft für die Entdeckungen im Toten Gebirge interessieren, schuldig zu sein, nach den vorangegangenen Erörterungen über die Altertümlichkeit der Eintragungen wenigstens die " R. Kriß, Technik und Altersbestimmung der eisernen Opfergaben. Jahrbuch f. historische Volkskunde. Bd. III, 271 ff.; ders., Eisenopfer. München 1957, 16 f. " E. Burgstaller, Eine Türhüterfigur imd andere Ritzzeichnungen an Getreidekasten und Dreschtermen im Mondseer Rauchhäusern. Oberösterreichische Heimatblätter, Jg. 7, 1953, 345 ff.; über weitere derartige Funde an mehreren Baulichkeiten im Salzkammergut wird an anderer Stelle berichtet werden. Das Vor kommen einzelner der in der „Höll" aufgefundenen Zeichen an rezenten Felsinschrift-Wänden bezeugen die Eintragungen in Traunkirchen (E. Burgstaller, Die Traunkirchener Felsinschriften. Oberösterreichische Heimatblätter, Jg. 4, 1950, 125 ff.)
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