OÖ. Heimatblätter 1961, 15. Jahrgang, Heft 2/3

Oberösterreichisdie Heimatblätter Weise erfaßt hat, so daß Felsen mit sehr harter unmittelbar neben solchen mit weicher, zersetzter Oberfläche liegen, die sich unschwer ritzen und schneiden läßt. Manchmal wechseln weiche und harte Stellen auch innerhalb derselben Felswand. Es ist anzunehmen, daß diese Verhältnisse auch schon früher bestanden und die Zeichner in erster Linie weiche Ober flächen zur Anbringung ihrer Bilder suchten, woraus sich erklärt, daß viele Felsen nur mit wenigen, andere mit einer großen Fülle von Eintragungen bedeckt sind. Wo die Zeichen aber, wie auf Felsen XII, nicht nur auf den weichen Oberflächen der Zone A angebracht sind, sondern auch die viel härteren der Bildfläche B überziehen, scheint den Zeichnern die Situation, die Lage des zu beschreibenden Felsens oder dieser selbst aus irgendwelchen Gründen so wichtig gewesen zu sein, daß sie ihretwegen die größeren Schwierigkeiten auf sich nahmen, die die Bearbeitung des härteren Gesteins mit sich brachte. Abgesehen von den Auswirkungen dieser Unterschiede in der Beschaffenheit der Ober flächengestaltung des Materials auf die Ausführung der Zeichen, konnten für die Technik der Ritzungen, die sich besonders gut an den Tierdarstellungen beobachten läßt, bisher im großen folgende typische Merkmale festgestellt werden: a) Die Körperformen der Tiere sind naturalistisch gestaltet. Man versucht, das geschaute Vorbild kenntlich wiederzugeben, wie dies die bis zu 2 cm breiten, ziemlich flach mit einem offenbar stumpfen Werkzeug in den Felsen gehämmerten Bilder der wahrscheinlich Urrinder darstellenden Tiere mit ihren gedrungenen, schweren Leibern, dem wuchtigen Haupt, dem mächtigen Gehörn und den langen Schwänzen beweisen. Bemerkenswert ist, daß diese Bilder, die nur bei günstigen Lichtverhältnissen deutlich sichtbar sind, in auffallend niedriger Lage über dem derzeitigen Bodenniveau angebracht sind (Belege auf Fels V, XIII). b) Die streng lineare, das Wesentliche in straffer, sicherer Linienführung festhaltende Formgebung wird in dünnen Strichen verhältnismäßig seicht in den Stein geritzt, in dem sie sich auch nach intensivem Verwitterungsprozeß und bei Bedeckung mit einer dünnen Schichte winziger Flechten und Moose unter günstigen Lichtverhältnissen deutlich erkennen läßt (Beispiel: Steinbock auf Fels IX, „Himmel- und Höllespiel" auf Fels XI). c) Die Linien der zu einer dritten Gruppe gehörigen Bilder sind mit einem scharfen Gegen stand bis zu 2 mm eingetieft und scharf durchgezogen, wobei auch geschwungene Linien führung, wie bei einigen Pferdedarstellungen auf Fels XH A, vorkommt. Manchmal haben die ersten Ansätze den Gestalter des Bildes nicht befriedigt, dann wird die Weiter arbeit aufgegeben oder unmittelbar neben dem ersten Strich eine neue Linie angebracht, bis die gewünschte Form entsteht. Beispiele bieten einige Pferde auf Fels XH A sowie das mit Strahlen umgebene Dreieck auf Fels IX und das geschäftete, mit einem seitlichen Fuß ausgestattete Dreieck auf Fels XIII. d) Die Tierbilder der vierten Gruppe sind in äußerst Schema tischer, fast starrer, eckiger Stilisierung wiedergegeben, wobei es für ihre technische Ausführung den Anschein hat, als hätte man die Linien zuerst mit einem scharfen Gegenstand vorpunktiert, ehe sie mit einem diese tiefer liegenden Punkte zusammenfassenden Strich nachgezogen wurden. Beispiele bieten unter anderen die Pferdedarstellungen mit den zwei Reitern auf Fels XH A. Ein Vergleich der Technik der Gruppe 3 und 4 läßt an die wechselvolle Ausführung der

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