OÖ. Heimatblätter 1961, 15. Jahrgang, Heft 2/3

Schrifttum legt werden. Und dieses Programm wird Punkt für Punkt durchgeführt. Zunächst folgt ein geschichtlicher Teil, der über die Besitzer der Burg unterrichtet; dabei werden vielfach Daten verwendet, die Staatsbibliothekar Wilflingseder zur Verfügung gestellt hat. Darauf wird eine alte Beschreibung der Burg ge= bracht und Abbildungen aus dem 17. Jahrhundert mit genauen, bis ins einzelne gehenden Erklä= rungen, so daß der Leser auf die Grabungs berichte wohl vorbereitet ist. Am ältesten ist der von Caspar M e r i a n, dem Sohn des berühmten Matthäus, herrührende Stich, dessen Entstehungs zeit zwischen 1646 und 1651 angesetzt wird (Abb. 2, 3). Um 1674, also ein Menschenalter spä ter, fällt der Stich von Georg Math. V i s c h e r, mit dem eine Aquarellskizze von H ag e r von Allentsteig aus dem sogenannten „Schlös serbuch" des oberösterreichischen Landesarchivs im wesentlichen übereinstimmt (Abb. 4, 5). Diese drei Abbildungen, die die Burg in ihrer Verfalls zeit darstellen, nennt Benninger „romantisch auf polierte Konserven" und „fixierte Schaubilder", die wir vielleicht einmal mit Hilfe der Grabungs ergebnisse werden richtig lesen können. Daran schließt sich organisch eine Schilderung des heutigen Aussehens des Burghügels und seiner Umgebung, die durch fünf photographische Aufnahmen (Abb. 6—10) uncl zwei Pläne (Abb. 11, 12) belebt wird. Diese in den Text ein gefügten Zeichnungen sowie die hinten beigege bene Farbtafel sind zwar für den Leser ein guter Behelf, doch würde ihre Benützbarkeit wesentlich erhöht, wenn die Pläne nach Norden ausgerichtet und die Größenverhältnisse der Maßstäbe ange zeigt und aufeinander abgestimmt wären (z. B. 1:1500, 1:750, 1:150). Auch wird vielleicht man cher wünschen, daß sie eingehender beschriftet, bzw. mit Zeichen und einer dazugehörigen Legende versehen wären, so daß man die im Text angeführten markanten Punkte leicht loka lisieren kann, was Mindergeübten sonst schwer fällt. Überhaupt wäre es vorteilhaft, für derartige Pläne Normen aufzustellen, um Gleichmäßigkeit bei den Veröffentlichungen zu erzielen. Bei den in den Jahren 1956 bis 1958 vorgenommenen Grabungen stand nur der südliche Teil des Burg platzes zur Verfügung, der auf der Parzelle 70/3 liegt, nicht aber der nördliche mit den Überresten des Nordturmes. Es zeigte sich gleich anfangs, daß die Burg auf einer kleinen, aus dem Moor boden aufragenden Tegel-Insel errichtet worden war, die auf einem brüchigen, äußerst harten Schlier aufsitzt und einst vom Wimsbach und seinen Nebenarmen umflossen war. Ferner wur den schon im ersten Jahre, in dem ein langer Suchgraben quer durch die Anlage gezogen wurde, mindestens drei Bauschichten festgestellt, die regelmäßig durch zwei übereinanderliegende Mörtelestriche getrennt waren (vgl. die Falttafel). Und zwar fällt der erste Bau, also die Gründung der Burg, in die Mitte des 13. Jahrhunderts, wie sich aus den späteren Schürfungen ergab, um 1400 erfolgte ein Umbau und im Anfang des 16. Jahrhunderts ein dritter Aufbau, dessen Steinmaterial sicherlich zum größten Teil aus den früheren Schichten stammte und restlos wegge schleppt wurde. Als nämlich die Wasserburg 1651 zugleich mit dem Schloß Wimsbach an die Starhemberger kam, wurde sie dem Verfall preis gegeben und als Steinbruch benützt. Dieser Um stand erleichterte wesentlich die weiteren Gra bungen, da es nicht notwendig war, Mauerreste und Bauschutt wegzuräumen, um die Grund festen zu untersuchen. Dabei wurden sehr in teressante Funde gemacht, die Einblick in die mit telalterliche Bauweise gewähren. Im zweiten Jahre wurde nämlich ein mächtiger, 8% m langer Eichentram aufgedeckt, der durch Pfähle gegen Verrücken gesichert war. Auf ihm wurde eine aus großen behauenen Quadern be stehende Mauer errichtet, die später nie erneuert wurde (Abb. 13, 14, 17). An der westlichen Längsseite des Trams fand sich ein Rost von etwa 140 dicht nebeneinander eingeschlagenen Piloten, die größtenteils aus Fichten und Tannen bestanden und nur wenige Eichenstämme aufwie sen. Durch den mit Grundwasser gesättigten Tegel sind sie vortrefflich erhalten geblieben (Abb. 15, 16). Vermutlich stand auf diesen Pfählen der südliche Rundturm, der auch auf der Darstellung von Vischer erscheint. Im dritten Jahre wurden zu vier Räumen ge hörige Mauerzüge freigelegt, die ebenfalls durch Piloten fundiert waren (Abb. 17—20). Die Sockel der Grundmauern hatten eine Stärke von 135 und 170 cm, woraus man schließen kann, daß die Ge bäude zwei bis drei Stockwerke gehabt haben. Daneben wurden zahlreiche Kleinfunde gemacht, von denen besonders markante Stücke im folgen den besprochen werden. Bautechnisch ergibt sich demnach als Blütezeit der Burg das 13. Jahrhundert, worauf die großen Quadern und die mächtigen Holzfundamente hin weisen. Die Innengestaltung dagegen stand im 15. Jahrhundert während der 2. Bauperiode (1400—1525) auf großer Höhe, was daraus her vorgeht, daß in drei Räumen Kachelöfen standen, gut gelegte Estriche vorhanden waren und die Innenwände ölanstriche aufwiesen. Aus der 3. Bauperiode, im 16. Jahrhundert, als die Jörger auf der Burg saßen, fanden sich Glaswaren, Steinzeug und Tongeschirr, also Gegenstände, die man bereits als Luxus ansprechen kann. Den Ofenkacheln ist ein eigenes Kapitel gewid met, ebenso dem Hausrat. Zuerst wird der Leser mit der Geschichte des Ofens bekanntgemacht, darauf werden zwei Kachelblätter aus dem frühen 15. Jahrhundert besprochen, von denen das eine einen Reiter mit flatterndem Mäntelchen darstellt (Abb. 21), das andere, weitaus besser erhaltene, ein bekrön tes Mischwesen mit Lebensbaum und Kreuz (Abb. 22). Es zeugt für den hohen Lebensstandard der Neydhartinger Burgherren, daß sie Kachel öfen gleich nach deren erstem Auftreten im 14. Jahrhundert verwendet haben. Weiter wird über ein grün glasiertes Kachelbruchstück, auf dem das Wappen eines österreichischen Landes fürsten und zugleich römisch-deutschen Kaisers

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