Mittermayer: Die Mühlholzkapelle bei Lembadi einer gekreuzigten Christusfigur von einem berühmten Meister in Stein zu zieren. Diese Kapelle ist 6 Klafter lang und 3 Klafter weit." (Sie hat also eine Länge von 11,38 m und eine Breite von 5,68 m). Über den Bau selbst und darüber, wer ihn durchführte, liegen keine urkundlichen Nach richten vor. Das schon kurz erwähnte Testament Alois Johanniters (vom 3. 9. 1847), das er verfaßte, „weil er sich seit einiger Zeit stets unpäßlich fühlte", berichtet uns, daß er außer den Legaten, die er für seine Stiefkinder und für andere Zwecke bestimmt hat, über ein Restvermögen von 55.000 Gulden verfügt, das er zu gleichen Teilen seiner Frau Anna Maria Johanniter und seiner Tochter Maria Leopoldine vermacht. Diese Legate verteilen sich auf folgende Weise: 500 Gulden sind zur Deckung der Reparaturkosten an der Mühlholzkapelle bestimmt. Der Stiefsohn Alois Schulz erhält das Haus Nr. 60, das Häusl Nr. 61 sowie eine Kuh und einzelne Wertsachen. Ihm sollen auch die zum Bezahlen eines Militär-Ersatzmannes ver wendeten 600 Gulden geschenkt sein. Die Stieftochter Elise Schulz bekommt 600 Gulden und eine goldene Halskette im Werte von 100 Gulden. Die Stieftochter Maria Schulz, verehelichte Mayrhofer, bekommt 300 Gulden, der Stiefsohn Josef Schulz 300 Gulden und eine goldene Taschenuhr. Seiner Schwester Anna Johanniter vermacht er 1000 Gulden, und schließlich abermals seiner Tochter Leopoldine seine Bibliothek, verschiedene Wert sachen, und er sichert ihr einzelne Rechte testamentarisch zu. — Johanniter selbst bedingt sich 10 hl. Seelenmessen und verschiedene Wohltaten, die an drei Jahrtagen nach seinem Tode in seinem Namen verrichtet werden müssen, aus. Am 8. 11. 1847 starb Alois Johanniter im 42. Lebensjahr. Eine Tafel an der Südaußenwand der Pfarrkirche teilt mit, daß er noch im alten Friedhof (der rund um die Kirche angelegt war) begraben liegt. Dieser Friedhof bestand bis zum Jahre 1857. Aus allem bisher über Johanniter Berichteten schält sich wohl ein Teil seines Charakters heraus: fromm, redlich, reiselustig. — An weiteren Details seines Lebens werden berichtet: Auf seinen Italienfahrten beförderte er in vier bis fünf Fuhrwerken auf der Hinfahrt Leinen, auf der Rückreise Südfrüchte. Bekannt war seine Gastfreundlichkeit. Fremde fanden in seinem Hause stets für drei Tage Unterkunft und Verköstigung. Seine örtlichen Geschäfts beziehungen scheinen ebenfalls bedeutend gewesen zu sein; es wird erzählt, daß bis Hohenschlag (am Ameisberg) hin Hausweber in seinem Dienste standen. Und Lembach selbst war ja damals ein bedeutender Webermarkt. Fast in jedem Haus des Marktes klapperte ein Webstuhl. Bei Johanniters Wohlhabenheit ist es wohl kein Wunder, daß, wie auch berichtet wird, bei ihm oft hohe Persönlichkeiten zu Besuch waren und daß er selbst viel in den Kreisen des Hochadels verkehrt hat. Bei all seiner Geselligkeitsliebe und Umgäng lichkeit war ein Umstand, der heute noch erzählt wird, sonderbar: Johanniter war stets sorgsam darauf bedacht, den Fragen nach seiner Herkunft auszuweichen; wenn's anders nicht mehr ging, ignorierte er sie einfach. Um Maria Leopoldine, seine Tochter, warb der erste Rohrbacher Bezirkshauptmann, Graf Montecuccoli. Für 1848 war die Hochzeit geplant. Johanniter hat aber sein Veto eingelegt. Seine Tochter mußte ihm sogar (mündliche Überlieferung) vor seinem Tode geloben, ledig zu bleiben. Die geplante und auch jede fernere Heirat unterblieb.
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