OÖ. Heimatblätter 1961, 15. Jahrgang, Heft 2/3

Jandaurek: Die Totenstraßen Die Totenstraßen Von Herbert Jandaurek (Linz) In den bayerischen heimatkundlichen Blättern „Deutsche Gaue''^ wurde bereits früher das Problem der Totenwege behandelt. Die dort geführten Untersuchungen stellten fest, daß die Totenwege, auch Totensteig, Totenzeil, Bahrweg und Leichweg genannt, zu den Friedhöfen führen bzw. führten und zum Transport der Verstorbenen dienten. Es wird die Behauptung aufgestellt, daß diese Wege vielfach nach der Urkirche, der Mutterpfarre, Bei der Durchsieht von fast 200 josefinischen Lagebüchern des Traunviertels stieß ich auf eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Totenwegen und Leichstraßen, deren Vorkommen in beiliegender Karte eingetragen ist. Das untersuchte Gebiet beschränkt sich auf den Raum zwischen Enns im Osten und den Flüssen Traun und Alm im Westen. Im Norden bildet die Donau die Grenze, im Süden die in der Karte eingetragene Linie, die halbwegs über die Orte Steyr—Ternberg—Kirchdorf und Viechtwang läuft. Es war mir nicht möglich, die zeitraubende Untersuchung auf das ganze Landesgebiet auszudehnen oder den örtlichen Verlauf der Totenwege festzustellen. Überraschenderweise beschränkt sich das Vorkommen der Totenwege innerhalb des oben angegebenen Raumes auf ein ganz bestimmtes Gebiet, welches durch die Linie Weißkirchen —Rohr—Steinbach—Schlierbach—Pettenbach begrenzt wird. Außerhalb dieses Raumes findet sich lediglich ein einziger Totenweg in der Katastralgemeinde Dörfl, der von der Ortschaft Faisten zur Pfarre Niederneukirchen führt. Wodurch die scharfe Trennung bedingt ist, vermag ich nicht zu sagen. Vielleicht sind im nördlichen Teil des Traunviertels, welcher in alter Zeit von durchziehenden Völkerschaften stark berührt wurde, die hergekonunenen Gebräuche und Sitten rascher verlorengegangen als im mittleren Teil, während der süd liche Teil durch die bergige Lage nur über ein beschränktes Wegnetz verfügte. Die Annahme, daß die Totenwege vielfach die Urpfarre anzeigen, erscheint nicht begründet, da von den in das Arbeitsgebiet fallenden Urpfarren St. Florian, Sierning, Kirchdorf, Kirch berg-Kremsmünster und Pettenbach lediglich die beiden letztgenannten von Totenwegen berührt werden. Es steht jedoch fest, daß die Totenwege nicht nach den allgemein benützten Verkehrswegen liefen, noch den kürzesten Weg zum Friedhof einschlugen, sondern meist Nebenwege und alte, abgekommene Straßen benützten. So teilte mir der Besitzer des Asperhofes (Pochersdorf 18, Kat.-Gem. Sattledt), Herr Karl Wimmer, mit, daß der durch die Gründe seines Anwesens laufende Totenweg heute noch benützt wird und durchaus nicht die kürzeste Verbindung zum Friedhof in Kirchberg ist. In der folgenden Aufstellung führe ich die gefundenen Totenwege nach den einzelnen Katastralgemeinden an; die Nummer, unter der sie im Lagebuch genannt werden bzw. die Grenzbeschreibungen, in denen sie angeführt werden, sind beigefügt; KG. Adelhaming (OG. Vorchdorf): Nr. 511/32; Der Totenweg » Deutsche Gaue 1921, Band 22, Seite 14; 1922, Band 23, Seite 75; 1928, Band 29, Seite 21 und 131; 1931, Band 32, Seite 183; 1932, Band 33, Seite 92.

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