Schuster: Das Schloß Wittinghausen in der Geschichte Wie so häufig, war auch diesmal der Schrecken größer, als die wirkliche Gefahr. Wenige Tage später konnte der Hofrichter melden: „Heute ist ein Bekannter des Pfarrers von Gojau auf die Wache der Sternschanze gekommen und hat ausgesagt, daß ihn der Feind gefangen und bis auf KJattau mit sich genommen, wo er aber arglistiger Weise ausgerissen. Dieser berichtet, daß der Feind in allem nicht über 3000 Mann stark sei. Nachdem er Prachatitz, Strakonitz, Netolitz, Wallern, Kalsching, Plan und andere Orte, mit nur wenig Truppen, gebrandschatzt und ausgeplündert hat, hat er sich aber wieder gegen Cham zurückgewendet." Die nächsten vier Jahre brachten, außer den schon gewohnten Reibereien mit streifenden Plünderern, keine direkte Feindesgefahr. Um so gefährlicher wurde das Jahr 1645. Wieder war es ein Winterfeldzug. Im Laufe des Monats Februar waren die Schweden bis nach Südböhmen vorgestoßen und standen bei Kaischau und Horaschdiowitz, das kaiserliche Heer, nur eine halbe Meile davon entfernt, bei Strakowitz. Eine Entscheidungsschlacht stand unmittelbar bevor. Bis zum 5. März liegen eingehende Berichte von jeder Bewegung der beiden Heere vor. Sie atmen Vertrauen und Zuversicht von Seiten der Kaiserlichen, sie sprechen von ihrer Kampfbereitschaft und Begierde, sich mit dem Gegner zu messen, die Kurierpferde stehen gesattelt — dann folgt eine unheimliche Stille. Man weiß, eine Schlacht ist geschlagen, aber über ihren Ausgang berichtet kein Bote. Die Ahnung eines großen Unheils schleicht sich in die Herzen aller und lähmt sie. Da kommt von Dietrich von Germersheim die erste, sichere Kunde. Sie ist zwar schon am 7. März geschrieben, aber erst später in die Hände des Propstes von Schlägl gelangt. Sie lautet: „Vom Proviantmeister Johann Caspar Sith von Arnau, welcher hier durchpassierte, bin ich für gewiß berichtet, daß gestern zwischen dem Feind und den Unsrigen ein scharfes Treffen stattgefunden hat, bei welchem die Unsrigen nicht allein gesiegt, sondern auch die ganze Bagage und Stuck des Feindes erobert. Weil sie aber angefangen, solche zu plündern, hat sich der Feind ge wendet und fast die ganze Armee kaputt gemacht." Nach und nach stellte sich erst die ganze Schwere der Niederlage der Schlacht von Jankau heraus. Das kaiserliche Heer war vernichtet. Was nicht im Kampf gefallen war, war gefangen, kleine Reste zersprengt. Man stelle sich den Schrecken vor, der alle ergriff, die die Unglücksbotschaft hörten. Es gab kein kaiserliches Heer mehr. Der Schwede konnte sich hinwenden, wohin er wollte, es gab niemand, der sich ihm in den Weg stellen konnte — außer den Pässen und ihrer Besatzung. Diese zu verstärken, war das einzige, was man tun konnte. In dieser Not hat Propst Martin seinen Freund, den Oberhauptmann von Krumau, auf das Schloß Wittinghausen gewiesen, das zur Verstärkung des Friedberger Passes wie geschaffen war. Es war bisher nicht in die Grenzverteidigung einbezogen worden, aus dem einfachen Grunde, weil es nicht auf österreichischem Grund stand, sondern zu Böhmen, genauer zum Herzogtum Krumau gehörte. Daher stand der Landesregierung von Oberösterreich kein Recht zu, es zu besetzen. Die hier zuständige Persönlichkeit war der genannte Dietrich von Germersheim. Dieser antwortete dem Propste zu Schlägl am 8. März: „Soviel das Schloß St. Thomas anlangt, wird solches nach Mög lichkeit mit tauglichen Leuten verwahrt werden. Wenn es den Ständen Oberösterreichs beliebt, etliche Musquettiere an den Wald zu geben, kann ich es wohl leiden. Ich will noch heute Nacht einen Ritt nach St. Thomas tun, damit ich morgen, gleich zu Tagesbeginn, mich dort befinde und besser nach dem Notwendigen sehen kann." In der Tat meldete sich schon am folgenden Tag der zu Wittinghausen eingesetzte Kommandant beim Kommissär
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