OÖ. Heimatblätter 1950, 4. Jahrgang, Heft 3

Luger: Zur Gründungsgeschichte des Prämonstratenser-Stisftes Schlägl richten ließ 42). Sie wurde dann bis zur Zeit Kaiser Josefs II. (1780 — 1790) be¬ legt. Der am 7. Dezember 1783 begrabene Norbert Razesperger war der letzte Herr, der in der Gruft begraben wurde. Durch ein Hofdekret Kaiser Josefs II. wurden die Grüfte gesperrt und niemand durfte dort mehr beigesetzt werden 43 Es ergibt sich daher, daß diese Gruft aus einer viel jüngeren Zeit stammt und daß sie mit der romanischen Krypta nichts zu tun hat. Nach der Untersuchung des Schlägler Quellenmaterials und nach der Fest¬ stellung der ältesten Bauelemente erschien es nun interessant, nachzuforschen, ob in dem ehemaligen Prämonstratenser-Stift Mühlhausen in Böhmen noch Hinweise auf eine Zusammengehörigkeit zwischen Schlägl und Mühlhausen zu finden wären. Es war mir im Sommer 1937 durch Unterstützung des Linzer Musealvereines möglich gemacht worden, eine Fahrt nach Mühlhausen zu unternehmen. Mühlhausen liegt etwa 30 km westlich von Tabor. Das Kloster befindet sich etwas außerhalb des Ortes. Gründer der Abtei war Georg von Milewsk, der den Mönchen auch Besitzungen schenkte, die zur Erhaltung des Klosters notwendig waren. 1187 wurde Gerlach der erste Abt. Da die Witigonen mit Georg von Milewsk eng befreundet waren und außerdem um das Kloster Besitzungen hatten ist es wahrscheinlich, daß sie Chalhoch von Falkenstein auf dieses Kloster aufmert sam gemacht haben, wie schon vorher erwähnt wurde. Zuerst wurde eine kleine Kapelle gebaut (heute die Sakristei), die somit den ältesten Teil der Klosteranlage darstellt. Hernach wurde die Agidikirche und zum Schluß die Klosterkirche gebaut, letztere von der Regensburger Bauhütte. Von der Agidiuskirche, der ehemaligen Pfarrkirche, sind bis heute noch roma¬ nische Teile erhalten und zwar die Nordmauer der Kirche und der westliche Teil, wo der alte romanische Turm den Abschluß bildet. Als unter Abt Vepic (gest. 1405) die Kirche zu klein wurde, trug man die Süd- und Ostseite ab und erweiterte sie im gotischen Stil. Als unter Josef II. das Kloster aufgehoben wurde, wurde die Klosterkirche Pfarrkirche, die Agidiuskirche Friedhofkirche. Die St. Bartholomäus¬ kirche im Orte war nie Pfarrkirche, wie Wocel behauptet 44). Bis zur Schlacht am weißen Berg war sie lutheranische Kirche, dann wurde sie Filialkirche. Die Klosterkirche ist ein dreischiffiger romanischer Bau, der bis heute fast voll¬ ständig erhalten ist. Die Abtskapelle im Norden der Klosterkirche ist bereits im Übergangsstil gebaut, enthält jedoch noch viele romanische Elemente. Leider weisen diese keine Ähnlichkeit mit den Schlägler auf. Auch gibt es in Mühlhausen keine romanische Gruft, so daß auch hier Vergleichselemente für die Schlägler Gruft ausscheiden. Auch Urkundenmaterial ist in Mühlhausen keines mehr vorhanden. 22) Pröll, a. a. O. G. 272. 43) P. v. Mitrofanov, Josef II. Seine politische und kulturelle Tätigkeit (aus dem Russischen ins Deutsche übersetzt von V. von Demelič), Wien-Leipzig 1910, Bd 2 S. 710. 42) E. Wocel, Baudenkmale von Mühlhausen, Mitteilungen der Zentralkommission für Denkmalpflege (Wien 1863) G. 36—46. 211

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