Veröffentlichungen des Kulturamtes der Stadt Steyr, März 1953

von Garsten ergingen Befehle wegen der nötigen Holzlieferung und dem Innerberger Amtmann wurde aufgetragen, diesen „für das Etzenwesen so wichtigen Bau mit allem Eifer und größter Umsicht zu überwachen"?") Nach Ofner ist die erste Anlage des Roß- und Schiffweges von Steyr bis Haimbach, die zwischen 1559 und 1563 entstand, wahrscheinlich das Werk des „guten Meisters Lienharü Prandstetters", der schon früher ähnliche Bauten im Dienste des Kaisers geleitet hatte. Nach längeren Verhandlungen erklärte sich der be­ rühmte Tiroler Wasjerbaumeister Hanns Gasteiger bereit, das Projekt für die Fortsetzung des Weges auszuarbeiten, welches 1565 fertig vorlag. 1569 kam es zum Abschluß mit Gasteiger, der trotz des gewaltigen Hochwassers von 1572 schon drei Jahre später größtenteils die Arbeiten durchgeführt hatte. Von 1580 bis 1583 erfolgte dann der Ausbau der Strecke Reifling—Hieflau, womit die gesamte Eisenschiffahrt auf der Enns ermöglicht wurde. Statt der Flöße ver­ kehrten nun Lastkähne nach Art der Salzschiffe von der Traun, wie sie dort schon seit 1536 in Verwendung standen. Die Ennsschiffe konnten etwa 250 Zentner Eisen fassen, hatten also zirka 4mal so großes Fassungsvermögen wie ein Eisenfloß. Im Jahre 1567 verkehrten bereits zwei solcher Schiffe, wobei 2 Schiffmeister und 20 Knechte sowie 12 Pferde benötigt mürben.91) Jedenfalls wurde auch weiterhin noch ein beträchtlicher Teil des Eisens auf Flößen nach Steyr gebracht, denn das Ladstattbuch von Altenmarkt-Weißenbach weist für die Zeit vom 1. Mai 1568 bis 30. April 1570 die Abfuhr von 599 Flößen und nur 78 Schiffen mit insgesamt 35.956 Zentnern Eisen und Stahl aus. Als Rück­ fracht führten die Schiffe hauptsächlich Getreide zur Versorgung der W-urzen. Höchstens die Hälfte des Gewichtes der Talfahrt durfte bei der Bergfahrt ge­ laden werden.9-) Die Anlage des Trepplweges und die Schiffbarmachung der Enns muß für die damalige Zeit als bauliche Leistung ersten Ranges ange­ sehen werden, wenngleich die Erhaltung große Summen verschlang, da der Weg oftmals nahe dem Flußbett führte und so bei Ueberschwemmungen schwer beschädigt wurde; bei zu geringem Wasserstand und bei Hochwasser konnte die Wasserstraße natürlich nicht benützt werden, sondern das Eisen mußte auf der Eisenkammerstraße mit Fuhrwerken nach Steyr befördert werden, was aber wesentlich teurer kam.99) Da durch die Einführung der Schiffahrt auf der Enns der ertragreiche Holzhandel der Steyrer schwere Einbuße erlitt, wird die ablehnende Haltung und oftmals gegnerische Einstellung der Bürger zur Schiffahrt klar; ja sie wei­ gerten sich anfangs, die Fahrten zu unternehmen, so daß Erzherzog Karl diese mit Admonter Flößern in eigener Regie unternehmen wollte, was ihm aber nicht gelang und daher erfahrene Schiffleute aus dem Salzkammergut als Lehrmeister nach Steyr berief.91) Die Entlohnung der Schiffleute erfolgte durch die Händler und Hammer- meister, in deren Dienst sie standen; für Tal- und Bergfahrten waren fixe Löhne festgesetzt.99) Die Stadt Steyr schloß im Jahre 1568 mit Ennser Schiff- leuten einen Vertrag, wonach diese das gesamte Eisenzeug nach Krems und Wien, aber auch die Donau aufwärts bis Linz führen sollten.99) Die im Jahre 1581 gegründete Eisenhandlungskompagnie zu Steyr brachte die Schiffahrt auf der Enns zum Großteil in ihre Hände und auch die Innerberger Haupt­ gewerkschaft von 1625, die ja das gesamte Eisenwesen umfaßte, schloß auch die Floß- und Schiffahrt auf der Enns in ihr Einflußgebiet ein. Sie kaufte die Schiffmeistergerechtsame auf und führte bis zu ihrer Auflösung im Jahre 1865 den Betrieb auf eigene Rechnung.9') Der Transport des Eisens zu Land und zu Wasser erfolgte in Form von „Puerd oder Puschen" oder auch zentnerweise.99) Jede Einheit wurde durch 24

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