Veröffentlichungen des Kulturamtes der Stadt Steyr, März 1953

Begriffe werden. Ein trauriges Beispiel hiefür sei Augsburg, dessen Blütezeit mit dem eifrigen geschäftlichen Leben der einzelnen Bürger verbunden gewesen; als aber die Bürger ihr Geld auf Interessen angelegt haben und nicht mehr selbst dem Verdienst nachgegangen seien, sei bei ihnen nach Steinbergers Mei­ nung nichts als Müßiggang, Faulheit, Prachtliebe, Stolz und Geldverschwen­ dung eingezogen. Nach eingetretenem Rückgang ihrer Gewinne aber hätten sie jede Lust zu arbeiten verloren und könnten sich nur schwer erholen. Auch die Stadt Steyr könne bei betriebsamem Schaffen der einzelnen Bürger und durch deren Reisen und Handel zu viel größerem Wohlstand gelangen, als dies durch bloße Zinsenzahlungen und Gewinnbeteiligung erreicht werden könnte, was ihnen, ohne einen Finger zu rühren, in den Schoß falle. Die privaten Händler könnten sich erst nach einem arbeitsreichen Leben auf ihre Güter zurückziehen und die verdiente Ruhe genießen. Steinberger fand im Bürgermeister und Eisenhändler Wolf Händl einen Gleichgesinnten; auch dieser stand der Grün­ dung der Compagnie ablehnend gegenüber und bezweifelte mit folgenden Wor­ ten die günstige Entwicklung dieser Einrichtung: „Nun wohlan, die Compagnie ist geschlossen, aber Gott helfe dem, welcher wird müssen der letzte darvon fein."66) Und tatsächlich erfolgte schon im ersten Drittel des kommenden Jahr­ hunderts der Zusammenbruch der Großhandelskompagnie für Stahl und Eisen von Steyr. Kurz nach der Gründung scheint eine Besserung im Eisenverlag eingetre­ ten zu sein; die Hammermeister erhielten aus den Einlagegeldern der Gewerk­ schaft monatlich ihr Betriebskapital und diese bezog dafür die erzeugten Wa­ ren. Aber schon nach wenigen Jahren begegnen wir Klagen über die Nicht­ einhaltung der Verträge und die Steyrer mußten an ihre Pflichten gemahnt werden;6H die Gesellschaft entsprach also den in sie gesetzten Erwartungen nicht. Ein um die Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert eingetretener Pro­ duktionsrückgang, ständige Abnahme des Außenhandels, hervorgerufen durch die Gegenreformation und die Wirren des ZOjährigen Krieges verursachten das gänzliche Versagen der Compagnie. Der Ruf nach Wiedererrichtung des Privathandels wurde laut oder die Uebergabe des Verlages an die steirische Landschaft oder die Landschaften von Tirol, Kärnten, Salzburg und die Stadt Augsburg verlangt.66) Auch die Stände Oberösterreichs beschäftigten sich mit dem Eisenverlags- problem, das auch sie nicht zu lösen vermochten.66) Nun stellte Erzherzog Karl den Antrag, das gesamte Innerberger Amt gegen ein Darlehen von 100.000 Gulden an die Steyrer Eisenhandlunaskompagnie zu verpachten, was aber wegen der religiösen und politischen Forderungen der Kompagnie nicht zustande kam/6) Nur mühsam war es in diesen Jahren gelungen, aus Darlehen der Kauf­ leute von den Reichsstädten den Verlaa zu erstatten und den monatlichen Zusatz zu geben. Wie groß iedoch deren Einfluß auf das steirische Eisenwesen war geht hervor aus den schädlichen Wirkungen, als diese sich aus religiö­ sen Gründen vom Eisenverlag Zurückzogen; das Kapital der Eisenhändler von Steyr und von den österreichischen Legorten reichte ja keineswegs zur Fi­ nanzierung des Eisenwesens. Die Gegenreformation wirkte fick für das gesamte Wirtschaftsleben sehr ungünstia aus. Um 1600 zeigte sie sich am Erzberg in vollster Kraft und schärfste Bestimmungen wurden geaen die Lutheraner im Erzberggebiet durch die Reformationskommissionen erlassen. D-e breite Masse fiel von der neuen Lehre ab, doch die Gewerken hielten zähe daran fest. Im Jahre 1600 wurden 11 Hammerwerke stillgelegt, die Eigentümer hatten ihre Werkgaden zu ver­ lassen und aus der Heimat zu ziehen. Fand der Gewerke für seinen Besitz 18

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