Veröffentlichungen des Kulturamtes der Stadt Steyr, Heft 34, November 1796

geschlossen in die Öffentlichkeit traten , entsprachen auch dem demonstra– tiven Charakter, den das praktische religiöse Leben unter den Jesuiten einnahm. In ihrem unmittelbaren Zusammenwirken mit dem Kolleg bildete die (von den Päpsten besonders unterstützte und mit großen Privilegien ausgestattete) marianische Kongregation das Rückgrat der katholischen Partei. Durch ihre straffere Organisation unterschied sie sich von den sogenannten Bruderschaften. Mit seinem Eintritt, dem eine Prüfung voraus– ging, verpflichtete sich der S1odale zum Gehorsam dem Präses gegenüber, außerdem zum regelmäßigen Besuch der Versammlungen, zum regelmäßi– gen Sakramentenempfang (monatlich) und schließlich zu verschiedenen apostolischen Werken. Hielt einer sein besonderes Gelübde an die Gottes– mutter nicht, konnte er aus der Kongregation ausgeschlossen werden. Im Bericht über die am Festtag Maria Verkündigung des Jahres 1635 unter dem Titel Regina Angelorum Nata (auch „Assumpta Regina Angelorum ") ge– gründeten Studentenkongregation wird erwähnt, daß auch eine andere Vereinigung für die Werktätigen in Erwägung gezogen sei. 162 ) Ein Jahr später hatte jene lateinische Sodalität die formelle Agregation an die römi– sche (Prima primaria) erhalten; die (deutsche) Kongregation der Bürger unter dem Patrozinium der Unbefleckten Empfängnis konstituierte sich erst im Jahre 1647. 163 ) Ähnlich wie in Linz, zählte zur lateinischen Sodalität auch eine Abteilung für Herren (wenn sie auch in den Jahresberichten nicht gesondert angeführt wird). Die Sodalen der Studentenkongregation bekundeten ihren religiösen Eifer nicht nur durch Gebet und Fasten, sie erbaten sich von ihrem Präses die Erlaubnis, sich apostolisch betätigen zu dürfen im Sammeln häretischer Bücher, Belehren von Unwissenden und im Bekehren der Kirche Fernstehender. Die von ihnen jährlich veranstaltete Geißlerprozession fand beispielsweise im Jahre 1648 am Karfreitag abends statt: Eine Lichterprozession, die von der Bürgerspitalskirche aus mit 100 Lampen , 380 Fackeln und 142 Kerzen durch die ganze S1tadt geführt wurde, angeschlossen die Gruppe der Geißler und Kreuzträger, auf Bahren mitge– tragene Leidenssymbole mit Fahnen dazwischen, Militärkohorten beteiligten sich , dann die Sodalengruppe mit Liedern und Sprechchören; der Anfang des Zuges stand in der Mitte des Stadtplatzes und der Klerus, der den Abschluß bilden sollte, hatte noch nicht die Kirche verlassen . 164 ) Die Stu– dentenkongregation zählte im Jahre 1649 52 Mitglieder, die deutsche So– dalität 60 und ein Jahr später 200 (ihr gehörte auch Graf Ludwig von Kuf– stein als Sodale an). 165 ) Benediktiner, Augustiner-Chorherren, Zisterzienser, Franziskaner, Kapuziner und Karmeliter bezogen ihren Nachwuchs aus der Jesuitenschule. Aus den Sodalen trat 1636 einer in St. Florian ein, 1639 zwei in die Gesellschaft Jesu und drei in Schlierbach , 1645 einer bei den Benedik– tinern und im Jahre 1650 waren zehn in religiöse Orden übergetreten. 166 ) Jesuitischer Ordensgeist drang sowohl über die Schule, als auch durch Ex erz i t i e n, Ex k u r s i o n e n und M iss i o n e n immer mehr in die umliegenden Klöster und deren Pfarreien ein. Jedes Mitglied der Gesellschaft Jesu hatte nach seinem Eintritt in den Orden und nach Abschluß aller seiner Studien die vollständigen {dreißig– tägigen) und jedes Jahr die achttägigeri (abgekürzten) Exerzitien zu machen. Als Grundlage dienten die von General Aquaviva 1599 neu bearbeiteten 72

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